Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Neue soziologische Literatur [Rezension]
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 454 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen Wien „Wesen und Werden der Nation"; Prof. S. R. Steinmetz-Amsterdam: „Die Nationalität und ihr Wille"; Dr. Max Hildebert Böhm- Berlin: „Die Nationalitätenfrage"; Dr. Gaston Roffenstein-Wien: „Zur Soziologie des Nationalismus"; Prof. Elemer von Karman-Budapest: „Psychologie des Internationalismus". Die Aufsätze bringen ein reiches Tatsachen- und Literaturmaterial; sie beleuchten die Frage von den verschiedensten Seiten. Die Sachlichkeit und begriffliche Sauberkeit der Erörterung, die alle Aufsätze dieses Sammelbandes auszeichnen, bedeuten eine wesentliche Klärung des heißumstrittenen Problems. Verhandlungen des FünftendeutschenSoziologentages, vom 26. bis 29. September 1926 in Wien. Verlag J.CBJVIohr (Paul Siebeck), Tübingen 1927. 227 Seiten, brosch. 8 Mk. Die vorliegenden Verhandlungen der Hauptversammlung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie haben zum Gegenstande das Problem der Demokratie und das des Naturrechts, über Demokratie sprachen Toennies und Kelsen, über Naturrecht R. Goldsaheid. Die Diskussion, an der namhafte Gelehrte sich beteiligten, ist den Vorträgen beigefügt. Gleichzeitig werden die Erörterungen einer Sondergruppe über methodologische Fragen der Soziologie in diesem Bande veröffentlicht. Es ist nicht nötig, zu betonen, daß die Vorträge und Diskussionen dem soziologisch Interessierten reiche Belehrung und Anregung geben, und daß Druck und Ausstattung dem gediegenen Inhalt des Buches in keiner Weise nachstehen. — Franz Oppenheimer: Soziologische Streifzüge. Gesammelte Reden und Aufsätze. II. Band. Max Hueber Verlag, München 1927. 352 S. Brosch. 8,5o Mk., Leinen 11 Mk. Franz Oppenheimer hat in diesem Bande Reden und Aufsätze zusammengefaßt, die bisher nur in Zeitungen und Zeitschriften zerstreut waren. Die Themen entstammen dem weiten Arbeitsgebiet des Volkswirtschaftlers, des Soziologen und des auch an den Problemen des Judentums interessierten Gelehrten. Ich setze die Titel einiger der Arbeiten hierher, die mir als die wertvollsten erscheinen: Soziologie und Geschichte; Die Demokratie; Sozialismus oder Liberalismus? Der Zionismus; Der Antisemitismus im Lichte der Soziologie (erschienen im Morgen, 1. Jahrg., 2. Heft); Die Judenstatistik des preußischen Kriegsministeriums. ÜberaR weiß Oppenheimer Entscheidendes und Aufhellendes zu sagen, überall spürt man den sicheren Griff eines Mannes, der die Fülle des Stoffes zu meistern versteht, und der bei allem illusionsfreien Wirklichkeitssinn sich den Glauben an die Geisteswerte des Lebens bewahrt hat. Ich hätte gewünscht, daß das Jahr der, Veröffentlichung bei den einzelnen Beiträgen angegeben wäre, denn zum Verständnis ist die Tatsache nicht gleichgültig, ob die Aufsätze vor, während oder nach dem Kriege erschienen sind. So wäre es wichtig, zur Beurteilung des Aufsatzes über Zionismus zu wissen, wann er erschienen ist. Ob Opperiheimer auch nach den heute vorliegenden Tagebüchern Herzl noch als einen „wahrhaft großen Mann" bezeichnen würde, möchte nicht ohne weiteres zu bejahen sein. Der Verfasser spricht von acht Millionen Juden in der Welt; die Zahl scheint mir zu niedrig gegriffen zu sein. Oppenheimers persönliche Stellung zum Zionismus wird nicht deutlich erkennbar. Er betont, daß der westeuropäische Jude nicht Nationaljude in demjenigen Sinne sein kann, wie es der russische oder rumänische Glaubensgenosse sein muß, denn der westeuropäische Jude „gehört eben keiner jüdischen Nation an". Wenn Oppenheimer zu den Zionisten auch diejenigen rechnet, die „lediglich aus opportunistischen oder geschichtsphilosophischen oder sogar aus feindseligen Rücksichten die Übersiedelung der sich zu einem jüdischen Volke bekennenden Juden" wünschen, dann ist der Begriff so weit gefaßt, daß er alles Unterscheidende verloren hat. Aber das sind kleine Schönheitsfehler, die dem Wert dieser Sammlung keinen Abbruch tun. Julius Goldstein. Das Jahr des Jüdischen Frauenbundes. 5688—1927/8. Zum zweiten Male beschenkt uns der Jüdische Frauenbund, die umfassende deutsche jüdische Frauenorganisation, mit einem vortrefflich zusammengestellten Abreißkalender. Die Bilder, die uns durch das kommende Jahr begleiten sollen, vermitteln stärker noch als im Vorjahre einen Einblick in das Schaffen lebender jüdischer Künstler, z. T. noch junger und weniger bekannter. Die Textstellen sind mit viel Geschick zusammengestellt. Im ersten Teil des Kalenders — bis zur 17.Woche — gehen sie dem Rhythmus 454