Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Neue soziologische Literatur [Rezension]
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 453 (sequence 1)
- Language
- German
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Anzeigen Neue soziologische Literatur. Der Verlag G. Braun-Karlsruhe besitzt in Professor Dr. Gottfried Salomon-Frankfurt a. Main einen rührigen und weitblickenden Organisator soziologischer Literatur. Salomon hat es verstanden, in dem Jahrbuch für Soziologie und in den Ergänzungsbänden dieses Jahrbuches dem deutschen Laien und Fachgelehrten das reiche Arbeitsgebiet soziologischer Forschungen in gut ausgestatteten Bänden zugänglich zu machen. Die soziologischen Forscher aller Länder kommen in den periodisch erscheinenden Jahrbüchern mit ihren besten Originalarbeiten zu Worte. Es ist ein Verdienst des Frankfurter Gelehrten, daß er als einer der ersten der deutschen Gesellschaftswissenschaft wieder den Weg ins Freie gebahnt hat. Gebend und nehmend stehen wir wieder in fruchtbarer Wechselwirkung mit der Gelehrten-Republik der Welt zum Nutzen der deutschen Geistesarbeit. Auf drei Publikationen des Karlsruher Verlages seien heute die Leser dieser Zeitschrift hingewiesen: x. Andreas Walther, Prof. der Soziologie in Göttingen: „Soziologie und S o z i a 1 w i s s e n sc h a f t in Amerik a". Die Schrift gibt ein eindrucksvolles Bild von der Stellung und Bedeutung der Soziologie in den Vereinigten Staaten. Es existiert dort keine Universität ohne einen oder mehrere Lehrstühle für Soziologie — manche haben einen Lehrstab bis zu zwölf Dozenten. Wenn wir auch — schon aus Geldmangel — den amerikanischen Lehr- und Forschungsbetrieb nicht nachahmen können und wollen, so dürfte manches sich auch für uns als fruchtbar erweisen. Es gehört in Amerika zu den Erfordernissen der Ausbildung, daß Theologen, Pädagogen und Sozialpolitiker mit den Forschungsmethoden und Ergebnissen der Gesellschaftswissenschaft sich vertraut gemacht haben, daß die „Staatsbürgerkunde" im Zusammenhang mit den Grunderkenntnissen der Soziologie dem Schüler nahegebracht wird. Hier liegen Desiderata auch für die deutschen Verhältnisse. 2. Jahrbuch für Soziologie, III. Band 1927, ein internationales Sammelwerk, Preis brosch. i5,6o Mk., Leinenband 18 Mk., 343 Seiten. Dieser Band enthält neben einigen Beiträgen grundlegender Art eine Reihe von Arbeiten zur politischen Soziologie. Hier seien kurz Autoren und Themen aufgeführt: v. Wiese (Köm): Allgemeine Theorie der Gruppe. Takata (Fukuoka): Der Weg zur Gesellschaft. Schmalenbach (Göttingen): Soziologie der Sachverhältnisse. Stoltenberg (Gießen): Gesellschaftliche Gefühle. Carli (Padua): Die Kollektiworstellungen. Mehlis (Freiburg): Die Geschichtsphilosophie Hegels und Comtes. Lowie (Berkeley): Theoretische Ethnologie in Amerika. Stier-Somlo (Köm): Zur Soziologie des internationalen Rechts. Schippel (Dresden): Zur Soziologie kolonialer Arbeitsverhältnisse. Buddeberg (Bielefeld): Zur Soziologie des europäischen Denkens. Michels (Basel): Analyse des nationalen Elitegedankens. Günther (Innsbruck): Soziologie des Grenzvolkes. Rappaport (Wien): Die Nationalitätenfrage in Polen. Siegfried (Paris): Die ethnische Krise der Vereinigten Staaten. Roß (Madison): Soziologische Beobachtungen in Indien. Kraus (Frankfurt): Das indische Dorf. M a u n i e r (Paris): Zur Soziologie der Kabylen. Wilhelm (Frankfurt): Chinas Gesellschaf tsstruktur. 3. NationundNationalität. Jahrbuch für Soziologie, erster Ergänzungsband, 1927, brosch. 8 Mk., Ganzleinen 10 Mk. 22 4 Seiten. Nach einem Vorwort des Herausgebers, G. Salomon, behandelt Dr. Friedrich Hertz- 453