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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 430

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Synagogale Kunst und ihre Gestaltung auf der Juryfreien Kunstausstellung Berlin 1927
Date
1927-10-01
Page
430 (sequence 5)
Language
German
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Curt Horn am Abend denkt ach Rosenthal die Lichtquelle oben in dem Tageslichtschacht einmontiert Es ist eigentlich verkehrt, für die künstliche Beleuchtung immer ganz andere Stellen zu nehmen als die, von denen die Tagesbeleuchtung ausgeht Jeder Gegenstand ist doch in den Raum unter dem Gesichtspunkt der Lichtführung komponiert Man kann nur hoffen, daß nach Ausstellungsschluß diese Synagoge, die übrigens im Gegensatz zu den meisten anderen Räumen in echtem Steinmaterial hergestellt ist, nicht abgebrochen wird und verschwindet, sondern als wirklicher Kultusraum, etwa als Wochentagssynagoge einer größeren Gemeinde ihrem eigentlichen frommen Zweck zugeführt wird- Die norddeutschen Marmorwerke Köstner & Gottschalk, Berlin-Weißensee haben mit dem Bildhaueratelier Hillmann & Heinemann, Berlin-Wilmersdorf (die Ausführung zustande gebracht Frau Rahel Ruth Sinasohn in Berlin zeigt gute kultische Stickereien und Metallarbeiten. Professor Körner wollte für die Ausstellung ebenfalls eine Synagoge errichten; leider ist der Plan nicht zur Ausführung gekommen. Die Zeichnungen lassen wenig von dem erkennen, was uns sicher Körners Meisterhand geschaffen hatte. KulvjansMs „Andachtsraum" hält keinen Vergleich mit Rosenthal aus. Trotz der Einfachheit der Raumgestaltung hat man das Empfinden eine Problematik, die fast bis zum Lächerlichen herabsteigt Daß die Vertiefung im Raum — nämlich eine mit Sand gefüllte Grube — Demut vor Gott bedeuten soll, wird nicht jeder erfassen. Ebenso verfehlt ist Kampmanns „Kultraum". Er ist nicht als israelitischer Kultraum gedacht, sondern „für den neuen Menschen" und will sämtliche Religionen in sich einschließen und den Menschen zu seiner Einheit einen. Moses als Symbol soll den Menschen zu seinem, dem einigen Gott führen. Auch soll dieser Raum nur einen Menschen umfassen, er will also gar kein Kultraum einer Gemeinde sein. Aus solcher Religionsmengereikann natürlich kein „K u 11 räum" erwachsen; als jüdischen Kultraum macht das Mosesbild ihn unmöglich, wenn auch nach Grottes (s. oben S. 32 5) Nachweis hie und da in Synagogen figürliche Gestalten vorkommen. Aber innerlich unmöglich ist ein Bild, in dessen Mittelpunkt hinein der Maler das Werden des Andächtigen verlegt: „hier wird dein Werden". Das erscheint als Verleugnung des zweiten Gebotes, denn das ist verfeinerte Form der Gleichsetzung des Bildes mit der Gottheit Künstlerisch höchst zweifelhaft ist Kampmanns Art, das Bild durch Röhren und Glasleitern auf den Beschauer einwirken zu lassen. Und doch ist dies Mosesbild von ungeheurer Kraft Hätte doch Kampmann auf all das unnötige 430

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