Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Kampf gegen Gräber
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 425 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„Kampf gegen Gräber" Eine zweite, wesentlich kleinere Gruppe von Gegenäußerungen geht ebenfalls mit mir in der Verurteilung der Grabschändungen einig, glaubt sie aber mit Hinblick auf die Sünden der Juden erklären und zum Teil sogar ent-r schuldigen zu können. Ein Pfarrer meint z. B., die Grabschändungen seien bloß als Denkmalsschändungen aufzufassen; das Bewußtsein der Anwesenheit eines Toten liege den Verbrechern vollständig fern; und dann meint er, eine Leistung wie Arnold Zweigs Kriegsroman erkläre den Judenhaß vollkommen. Wenn man solche Entechuldigungsgründe gelten läßt, dann wüßte ich wirklich nicht, was man den maßlos verhetzten Schändern deutscher Soldatengräber im Ausland noch entgegenhalten sollte. Und sehr fraglich scheint mir auch, daß Einer, der nachts Friedhofmauern überklettert und von Grab zu Grab Verwüstungen anrichtet, nicht daran denken sollte, daß er sich auf einer Begräbnisstätte befindet Einer zieht sogar den seit Jahrhunderten vermoderten Juden Süß heran, um die Grabschändungen begreiflich zu machen. Hier wird schon der Ausgangspunkt meiner ganzen Stellungnahme radikal verkannt: ich trete nicht für tote jüdische Grabsteine ein, sondern für das lebendige deutsche Volk. Ich trete ein für die Sauberkeit seiner Seele, die mir nie ändert denn als eine hohe, edle und ritterliche Seele erschienen ist Ich wehre mich dagegen, daß aus angeblicher Liebe zum Deutschtum feige und niedrige, mithin extrem widerdeutsche Handlungen begangen werden. Kann es die Grabschändungen entschuldigen oder „erklären", wenn darauf hingewiesen wird, daß auch Untaten an Denkmälern von Boelcke, von Schlageter vorgekommen sind? Heißt das nicht, diese Untaten zum Muster, zum Gesetz für das eigene Handeln nehmen? Wo wollen wir denn dann ein Ende mit der Verwilderung machen, wenn immer das Gemeinere die Richtschnur unsres eigenen Tuns bilden soll? Müssen da nicht alle höheren Werte, die das Dasein erst lebenswert machen, zertreten werden? Und müssen wir uns nicht, wenn wir gemeinsam mit dem Gegner auf dem untersten Grund der. Verrohung angekommen sind, fragen, wozu wir denn überhaupt gekämpft haben? Die Losung des Edlen hat in Ost und West von jeher anders gelautet: Laßt uns Menschen sein und das, was durch Kampf ausgetragen werden muß, so durchfechten, daß unser eigener Wert dabei nicht verloren geht 425