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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 424

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Kampf gegen Gräber
Date
1927-10-01
Page
424 (sequence 2)
Language
German
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Wilhelm Michel nimmt Aber da es so oft vorkommt, so fragt man sich, ob denn auch an Ort und Stelle die Christengemeinden ernstlich genug dagegen reagieren. Es sind doch überall Christen, getaufte und konfirmierte, die so etwas tun, mögen sie nun zum Glauben stehen, wie sie wollen. Und insbesondere die deutsch-kirchlichen Kreise hatten alle Ursache, dagegen aufzutreten. Vielleicht tun sie es. Woran uns liegt, wenn wir hier davon reden: die offizielle Kirche in Presbyterien, Synoden und sonstigen Organen soll gegen solchen lasterlichen Unfug laut und vernehmlich ihre Stimme erheben.'* Ein deutschnationaler Beamter tritt meinen Ausführungen ebenfalls in der herzlichsten Weise bei, bemängelt aber, daß ich keine Notiz von den zahlreichen Verurteilungen nehme, die auch in rechtsstehenden Blattern gegen die Grabschändungen ausgesprochen worden sind. Ich kann dazu nur sagen, daß in den Rechtsblattern, die ich gelesen habe, die Grabschändungen nicht einmal gemeldet, geschweige denn verurteilt worden sind. Ich glaube dem Briefschreiber gerne, daß das in anderen Rechtsblättern geschehen ist, aber im ganzen scheint mir mein Eindruck zu Recht zu bestehen, daß eine durchgreifende, das öffentliche Bewußtsein lebhaft erfassende Abwehr in der Presse nicht erfolgt ist; und dies ist ein Vorwurf, der sich zum Teil auch gegen Blätter linker Richtung wendet Ferner bedauert derselbe Deutschnationale» daß ich von den Frevlern gesagt habe, sie hielten sich für Vorkämpfer des Deutschtums; sie seien in vielen Fällen als vorbestrafte Verbrecher und Minderwertige erwiesen. Ich weiß gewiß das Gefühl eines Ehrenmannes zu achten, der seine gute Sache nicht mit niedrigen Freveltaten befleckt sehen will, und ich habe keinen Augenblick daran gedacht, die nationalistische oder auch völkische Überzeugung als solche mit den in Rede stehenden Verbrechen in irgend welchen Zusammenhang zu bringen. Ich habe ausdrücklich von „anbrüchigen" Naturen gesprochen, die es überall gibt und die aus dem, was bei anderen Sache der Meinung und des menschenwürdigen Kampfes ist, verbrecherische Folgerungen ziehen. Wenn Männer wie Kern und Fischer aus irrgehender Vaterlandsliebe zu Meuchelmördern werden konnten: warum soll es dann unmöglich sein, daß niedrigere und „anfällige" Naturen aus ähnlichen Motiven zu Grabschändern werden? Das eben war der Sinn meiner Ausführungen, die Beziehungen, die für manche Verirrte zwischen der Vaterlandsliebe und einem vermeintlichen Recht auf Verbrechen bestehen, zu zerschneiden, nicht etwa sie fälschlicherweise herzustellen. 424

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