Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Jacob und Esau
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 396 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jacob und Esau Ein Beitrag zum Erstgeburtsredit der Juden Von Ida Lublinski Die Bibel enthalt in ihren Erzählungen Darstellungen von Lebensverhältnissen, die in die schriftlosen Anfänge des jüdischen Volkes hinabreichen. Es ist bekannt, daß mit der Niederschrift der Bibel erst verhältnismäßig spät begonnen wurde, während die Entstehung der mündlich überlieferten Erzählungen um viele Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende zurückliegt In der Dauer so langer Zeiträume wandeln sich aber Zeitanschauungen und Zeitverhältnisse entscheidend und manch eine alte Überlieferung, die aus ganz anderen Lebensverhältnissen entstanden ist, wird unverständlich. Weil sie aber zu den geheiligten Traditionen gehörte, suchten die Männer, die endlich an ihre Niederschrift gingen, das Tatsachenmaterial nach den Anschauungen ihrer Zeit umzudeuten, was nicht immer gut gelang und unter Umständen geradezu Entstellungen ergab. Diesen Vorgang möchte ich an einem Beispiel aus der Bibel zeigen, der den Gegnern des Judentums irrtümlich Veranlassung gab, den angeblich betrügerischen Charakter der Juden schon aus ihren heiligen Erzählungen zu beweisen. Es ist dieses der Bericht von der angeblichen Überlistung Isaaks durch seine Frau und seinen jüngsten Sohn. Wir können heute mit unserem erweiterten ethnologischen Material den Vorgang richtiger deuten und dadurch erkennen, daß diese Handlung aus einem ganz anderen Vorstellungskreis hervorgegangen ist Für die beiden letzten Jahrtausende wurde es eine selbstverständliche Vorstellung, daß die Erstgeburt ein Vorrecht gibt und dabei wurde lange übersehen, daß dies auch heute noch nicht überall der Fall ist In den höheren 396