Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Aufbau und Umbau
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 374 (sequence 20)
- Language
- German
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- Ukraine 2× ep/1001131
- Odesa 1× ep/1000834
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A. Singalowsky Der Weltkrieg und seine Folgeerscheinungen haben eine Wandlung in der gesamten jüdischen Situation verursacht Das russische Judentum wurde zersplittert und unter die neuen Nachfolgestaaten aufgeteilt Die in Sowjetrußland lebenden Juden haben nach den Katastrophen der Kriegszeit und nach den Pogromen noch die zerstörenden Wirkungen des Kriegskommunismus erdulden müssen. Jüdischer Handel, jüdisches Handwerk und jüdische Kleinindustrie wurden zum größten Teil vernichtet In diesem Zeitpunkt beginnt ein neuer Aufschwung der jüdischen Landwirtschaft Schon in den ersten Jahren nach der Agrarrevolution von 1917, die für den Übergang großer Teile der jüdischen Bevölkerung zum Ackerbau politisch günstige Bedingungen geschaffen hat, entsteht an der Peripherie der von den Juden bevölkerten Städtchen in den Gouvernements Kiew, Podolien und Odessa und in Weißrußland eine neue jüdische Landwirtschaft In den Jahren 1919 bis 1921, als in der Ukraine Anarchie und Banditenwesen ihr räuberisches Geschäft trieben und die Juden in der Stadt die Hauptopfer der demoralisierten, oft hungrigen gegenrevolutionären Armeen waren, haben auch die Zentren der jüdischen Landwirtschaft gelitten. Am schwersten wurden die Kolonien im Bezirk Jekaterinoslaw betroffen, die im Mittelpunkte der Operationen des Atamans Machno lagen. Weniger haben die Chersoner Kolonien gelitten, weil ihre Konzentriertheit den Juden die Möglichkeit gab, den Banditen aktiven Widerstand zu leisten und das Räubergesindel in die Flucht zu schlagen. Erst nach der Befestigung der Herrschaft der Sowjetregierung konnte das Bandenunwesen ausgerottet werden. Die jüdischen Kolonien hatten wiederum viel zu leiden gehabt unter dem damaligen Kurs der Sowjetpolitik, durch Requisitionen. Noch furcjhtbarer traf die jüdischen Kolonien in der südlichen Ukraine die Mißernte und der über das Wolgagebiet und ukrainische Steppengebiet damit hereinbrechender Hunger von 1921. Die Hochburg der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeit stand vor dem völligen Ruin. Zu jener Zeit — im Jahre 1921 — hatte schon der „ORT" seine Zentralverwaltung in Westeuropa, von der aus die „ORT"-Tätigkeit in den verschiedenen osteuropäischen Ländern gestützt und geleitet wurde. Aus dem blockierten Rußland drang der erschütternde Hilfeschrei der jüdischen Kolonisten nach Berlin. Die Zentrale des „ORT" leitete unverzüglich eine Hilfsaktion ein. Sie wandte sich um Beistand nach Nord-Amerika, Argentinien, England, Frankreich und Deutschland. Mit finanzieller Unterstützung durch 374