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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 372

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Aufbau und Umbau
Date
1927-10-01
Page
372 (sequence 18)
Language
German
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A. Si?agalowsky eine Massenf lucht aus den Kolonien war die Folge. Schließlich, scheiterte die Weiterentwicklung der Kolonisation an der großen Korruption der Regierungsbeamten, die die bewilligten staatlichen Geldmittel nicht für die Zwecke verwendeten, für die sie bestimmt gewesen waren. Ein erneuter Versuch, die jüdische Landwirtschaft zu fördern, ging von der Regierung Nikolaus I. aus. Jüdische Kolonisten wurden nicht nur von dem in jener Zeit sehr schweren Militärdienst, aber auch von der Kopfsteuer befreit Außerdem wurden sie aller Semstwo-Abgaben und -Pflichten enthoben. Infolge dieser Erleichterungen und Privilegien strömten weißrussische und litauische Juden der Landwirtschaft zu. Gegen Ende der vierziger Jahre begann die Regierung Juden zum Zwecke der Ansiedlung nach dem Gouvernement Jekaterinoslaw zu befördern. Die wirtschaftliche Entwicklung in den Jekaterinoslawer Kolonien ging schnell vorwärts. Zur selben Zeit begann die Regierung auch im Westen, in Litauen, Polen und Wolhynien freies Kronland an Juden abzugeben. Die meisten jüdischen Landwirtschaften und Kolonien entstanden zwischen Ende der vierziger und Ende der fünfziger Jahre. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts änderte sich die Politik der russischen Regierung der jüdischen Landwirtschaft gegenüber gründlich. Hatte die russische Regierung diese Bewegung früher mit allen Mitteln zu fördern gesucht, so legte sie ihr jetzt mit dem gleichen Eifer Hindernisse in den Weg. Bereits im Jahre 1859 hörte die Regierung auf, freies Kronland an Juden abzugeben. i864 wurde den Juden verboten, Boden von Gutsherren und Bauern anzukaufen, und dies gerade in den von Juden am dichtesten bevölkerten Gegenden, wie in den Gouvernements Kiew, Podolien und Wolhynien. Von nun an begann es Einschränkungen zu hageln, die in den berüchtigten „Provisorischen Verordnungen" des Jahres 1882 gipfelten, nach denen dem Juden selbst der Aufenthalt auf dem Lande auf das strengste verboten war. Doch der Übergang der russischen Juden zu produktiven Berufen war bereits zu jener Zeit eine wirtschaftliche Notwendigkeit geworden. Die tiefgehenden Veränderungen in der ökonomischen Struktur des Landes unterwühlten die bisherige Existenzform der jüdischen kleinstädtischen Bevölkerung, deren erheblicher Teil deshalb beginnt zum Handwerk, Fabrikbetrieb und zur einfachen physischen Arbeit überhaupt zu greifen, soweit es ihm möglich ist, auch zum Ackerbau. 372

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