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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 347

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
[Rezension]
Date
1927-08-01
Page
347 (sequence 4)
Language
German
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Anzeigen doch in so tiefe Konflikte gebracht hat. Und wie manchem werden die Festtagslichter des Elternhauses neu erstrahlen I Das Buch ist ein Buch für Mütter und Väter, die es lesen und — daraus lernen sollten. Gretel Goldstein. Roma Israelitica. Wanderungen eines Juden durch die Kunststätten Roms von Ermanno Lövinson. Verlag J. Kaufmann, Frankfurt a. M. 1927. 307 Seiten. Der aus Deutschland stammende, seit vielen Jahren in Italien, seinem Adoptiwaterland, ab Beamter des Staatsarchivs m Rom, neuerdings als Direktor des Staatsarchivs in Parma wirkende Gelehrte hat 'den guten Gedanken gehabt, zusammenzutragen, was sich über die mannigfaltigen Beziehungen des Judentums zu den Kunstwerken und Monumenten der ewigen Stadt nachweisen läßt, und damit allgemeingeschichtliche und kulturhistorische Notizen über jüdische Dinge und Persönlichkeiten zu verknüpfen. Der Leser tritt an seiner Hand zuerst einen; Rundgang auf dem linken Tiberufer an, auf dem sich bis 1870 das Ghetto befand. Dann folgt eine (Wanderung auf dem rechten Tiberufer von dem Platz, der heute den Namen Sidney Sonninos, des Sohnes eines italienischen Juden trägt, bis zu den Prati di Castello und zum Monte Mario, mit einer Erinnerung an die Stätte, wo sich seit dem i3. Jahrhundert die Abordnung der Juden aufzustellen hatte, um dem jeweiligen neuen Papst, falls er außerhalb Roms gewählt worden war, vor seinem feierlichen Einzug in die Stadt ihre Huldigungen darzubringen. Den Schluß bildet ein Blick auf die christlichen und jüdischen Katakomben, auf jüdische Grabsteine in der Via Appia, auf das schon im i£. Jahrhundert nach einem Juden genannte Casale Giudio an der heute nur noch schwer erkennbaren Via Ardeatina Antica. An zahlreichen Stellen werden kurze Biographien bedeutender italienischer Staatsmänner jüdischer Abkunft, wie des genannten Sonnino, Gelehrten, Künstler, Militärs eingeflochten und schätzbare Beiträge zur Geschichte der Emanzipation der Juden in Italien geliefert. Man mag vielleicht finden, daß die Darstellung hie und da zu sehr einen mosaikartigen Charakter trägt. Man mag es bedauern, daß die Aufzählung von Kunstwerken in Kirchen und Museen, die Gegenstände des Alten Testamentes behandeln, mitunter zu trocken sein mußte. Auch wird diese und jene Behauptung des Verfassers die Kritik herausfordern. Dahin gehört S. 64 die Annahme, Michelangelos Moses sei „anscheinend nach einem jüdischen Modell geformt", der S. 253 durch den Satz widersprochen wird, „leicht dürfte es in damaliger Zeit nicht gewesen sein, Juden zum Modellstehen zu veranlassen", oderS.io5 die Hypothese, „Mazzini würde, lebte er in unseren Tagen, die Berechtigung der zionistischen Idee ebensogut zu würdigen gewußt haben, wie die Bestrebungen anderer osteuropäischer Bevölkerungen seiner Zeit auf nationalen Zusammenschluß". Auch der Vergleich Mussolinis S. 267 mit Cäsar, Augustus, Julius II., Napoleon I. und anderen „großen Machthabern, die einem ganzen Zeitalter den Stempel ihrer Persönlichkeit .... aufdrücken", wird nicht nach jedermanns Geschmack sein. Allein diese Bemerkungen sollen die Wertschätzung des durch keinen gelehrten Ballast beschwerten, mit trefflichen Illustrationen geschmückten Büchleins nicht mindern. Alfred Stern. GeistundGesellschaft. Kurt Breysig zu seinem sechzigsten Geburtstage. I. Bd. Geschichtsphilosophie und Soziologie. Breslau, Verlag M. u. H. Marcus 1927. Zum 60. Geburtstag von Kurt Breysig haben sich Schüler, Freunde und Gesinnungsgenossen zusammengefunden, um den „gradlinigen Führer in unsern verwirrten Zeiten" durch eine auf drei Bände berechnete Festschrift: „Geist und Gesellschaft" zu ehren und Kunde zu geben von der Wirkungskraft der Breysigschen Lebensarbeit. Der erste vornehm ausgestattete Band mit dem Titel „Geschichtsphilosophie und Soziologie" ist inzwischen erschienen. Huldigungen von Fritz Schilling, Fritz Klatt und Rudolfl Pannwitz eröffnen den Band, — der Mensch, der Forscher, der Lehrer und Führer wird beredten Wortes gefeiert. Es folgen drei wertvolle und aufschlußreiche Arbeiten von Hans Driesch, Werner Sombart und Eduard Wechsler, Arbeiten, die den geistigen Zusammenhang mit den Ideen Breysigs deutlich erkennen lassen. Driesch behandelt „Theoretische Möglichkeiten der Geschichtsphilosophie und ihre Erfüllung". Die Frage nach einem Sinn der Geschichte als Ganzes wird mit kritischer Besonnenheit und der diesem Denker eigentümlichen prinzipiellen Schärfe erörtert. Wie man auch zu dem Ergebnis der Untersuchung stehen mag, sie bereichert jedenfalls unsere Möglichkeiten, dem 347

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