Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Die Teilnahme der deutschen Juden am Geldmarkt
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 323 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Teilnahme der deutschen Juden am Geldmarkt1) Von Hans Priester Es ist eine alte immer wiederkehrende Ansicht, daß die Juden besonders zum Geldverleihen prädestiniert seien. Sombart spricht direkt von einer Begabung für Geldgeschäfte, die zweifelsohne sicherlich besonders stark bei den Juden des Mittelalters entwickelt war. Die reichen Hof juden des 18. Jahrhunderts und der Aufstieg des Hauses Rothschild im 19. Jahrhundert haben im Volke den Glauben aufkommen lassen, daß das ganze Finanzwesen von jüdischem Einfluß beherrscht sei In dem dann zur Blüte gelangenden Effektenkapitalismus spielte die jüdische Finanzwelt, unleugbar eine große Rolle, wenn auch ihr Einfluß sicherlich stark überschätzt sein dürfte. In Deutschland ist der jüdische Einfluß im Bankwesen ganz allgemein gesprochen Ende des des 19. und im 20. Jahrhundert wesentlich zurückgegangen. Dieser Rückgang ist zum Teil in der Kriegs- und Nachkriegszeit noch stärker geworden, unbeschadet des Umstandes, daß einzelne Juden sich persönlich einen großen Einfluß verschafft haben. Von den Gründen dieser Entwicklung soll an anderer Stelle noch näher gesprochen werden. Heute wollen wir nun untersuchen, wie weit der jüdische Einfluß auf einen Teil des Bankbetriebes, nämlich auf den Geldmarkt, augenblicklich in Deutschland ist Es scheint dies umso interessanter, als nicht nur im Volke, sondern auch bei den Gebildeten die Ansicht noch heute vorherrscht, daß die Geschäfte des Geldmarktes ausschließlich oder fast ausschließlich von Juden besorgt werden. Bevor wir aber das eigentliche Thema behandeln, dürfte es sich empfehlen, kurz den Begriff Geldmarkt zu umreißen, da hierüber die merkwürdigsten J) Diese Arbeit gehört zur Artikelreihe „Beiträge zur wirtschaftlichen Lage derdeutschenJuden". (Siehe auch Heft 172 des 3. Jahrgangs.) 21* 323