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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 313

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Das Irrationale im Antisemitismus
Date
1927-08-01
Page
313 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Das Irrationale im Antisemitismus Von Felix Goldmann In der Stellung zum Antisemitismus und seiner Überwindung offenbart sich am deutlichsten, daß nationaljüdische und jüdisch religiöse Theorie nicht etwa taktisch oder politisch verschiedene Auswirkungen der gleichen Anschauungswelt sind. Es klaffen zwischen ihnen Unterschiede der Weltanschauung, in denen sich das Bekenntnis zu ganz verschiedenen moralischen Systemen wiederspiegelt. Das religiöse Judentum sieht im Antisemitismus Gewordenes, der sittlichen Erziehungsarbeit Unterliegendes, Beeinflußbares, es glaubt daher — ohne seine unendliche Tiefe, seine gewaltige Verbreitung und die daraus sich ergebenden Schwierigkeiten bei der Bekämpfung irgendwie zu verkennen — an eine Überwindung des Judenhasses gemäß den allgemeinen Fortschritten der Ideen der Moral. Das nationale Judentum legt an den Antisemitismus den Maßstab des Sittlichen nicht an, sondern rechnet mit ihm als einem Seienden,, einem der nichtjüdischen Seele eingeborenen Komplex von Urtrieben. Wenn auch selbstverständlich eine Abwehr seinen Ausbrüchen gegenüber geboten sei, zumal sie rein empfindungsgemäß und reflexartig sich von selber einstelle, so lohne es sich eigentlich nicht, starke Kräfte und große Mittel gegen ihn einzusetzen. Er sei eben unausrottbar, und da die Auseinandersetzung mit ihm lediglich mit den Mitteln der Macht vor sich gehen könne, bestehe die eigentliche Bekämpfung lediglich in einer, möglichsten Stärkung des Judentums und seiner Träger. Es gelte in der Hauptsache nur, im Bewußtsein seelischer Stärke gegen den Haß und seine Taten unempfindlich zu werden. Die nationaljüdische Ideologie ist damit in diesem Punkte, ebenso wie in vielen anderen ihrer Ideen, der Assimilation an das Weltbild des allgemeinen 313

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