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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 308

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Brücken zur Volksgemeinschaft
Date
1927-08-01
Page
308 (sequence 2)
Language
German
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Paul Frank sind auch die Weltanschauungen noch so trennender Art, ein Gemeinsames eint doch die Massen: die teilweis zwar nicht immer verstandesgemäß klar erkannte, jedoch gefühlsmäßig überall erwachte tiefe Sehnsucht nach einer geistigen und seelischen Erneuerung. Mögen auch im Partei- und Wirtschaftsleben rein äußerlich-egoistische Forderungen scheinbar im Vordergrund stehen, auch sie erwachsen aus bewußten oder unbewußtem Drange nach Verinnerlichung und Vertiefung, nach Befreiung aus der wirtschaftlich vielleicht unvermeidlichen, geistig aber unerträglichen Mechanisierung unseres Lebens. Die verschiedenartigsten, sich teilweise schneidenden Kreise sind vorhanden, aus denen die Führer und für die diese Führer erwachsen, wobei unter Führer alle die Menschen zu verstehen sind, die nicht nur durch ihre Forderungen und Weisungen, sondern vielmehr noch durch ihr Leben richtunggebenden Einfluß, wenn auch nur auf einen ganz kleinen Kreis von Mitmenschen, ausüben. Große Führernaturen führen nicht nur, sondern verführen oftmals in ihrer faszinierenden Autorität zur gedankenlosen Anerkennung, zu einem uniformierten Denken. Hierfür einige Beispiele: Was bedeutet dem völkischen Volksgenossen die tiefgründigste Rede des geistig hochstehenden kommunistischen Führers? Parteileidenschaft wird ihn selbst eine an sich gutzuheißende Tat eines politischen Gegners nicht anerkennen lassen, wenn dieser an führender Stelle stehend, naturgemäß oftmals Gegenstand öffentlichen Kampfes gewesen ist. Die überkonfessionelle Predigt voll Humanität und stärkstem sozialem Verantwortlichkeitsgefühl, entstanden aus innerlich tief empfundener wahrer Frömmigkeit eines katholischen Kirchenfürsten, wird wohl im eigenen Lager ausgleichend und versöhnend wirken, von keinem tieferen Eindruck aber auf den Freidenker sein. Ernst gemeinte sozialpolitische, wirklich dem allgemeinen Volkswohl dienende Reformvorschläge eines kapitalistischen Wirtschaftsführers werden vielleicht von den Gewerkschaftsführern geprüft und gewürdigt werden, bei dem einzelnen gewerkschaftlich organisierten Arbeit-* nehmer von vornherein aber auf Mißtrauen, Hohn und Ablehnung stoßen. Diese Beispiele ließen sich natürlich auch umkehren und in den verschiedensten Variationen vermehren. Aber bleiben wir bei diesen Beispielen aus dem Gebiete der Politik, Weltanschauung, Wirtschaft und Kunst und überlegen wir, ob und wie eine Verständigung möglich ist Die von den berufenen Führern der Wissenschaft und Kunst aufgestellten kulturfördernden Thesen werden in der Breite des Volkes unverstanden bleiben. Aber der im Hause eines völkischen Hauswirtes wohnende kommunistische Arbeiter, der trotz steten Daseinskampfes ein guter Gatte und gewissenhafter Erzieher seiner Kinder ist. 308

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