Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 305 (sequence 21)
- Language
- German
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Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus den Proletarier zu verstehen und zu achten wie er ist, Führer genug, um ihn zu weisen und zu ziehen wie er sein kann. Die schwere geistige Vergangenheit, das Angelangtsein auf der Stufe, die den Zwiespalt zur Grundlage macht, aus ihm neue geistige Kräfte zieht, dieser zurückgelegte Weg mit all seinen gruppenmäßigen und individuellen Erfahrungen bringt eine geistige Bereitschaft zum Verstehen und Wollen und Anerkennen hervor, die anders kaum erlangt werden kann. Diese Bereitschaft ist es, die zur Aufgabe dieses Typus wird, von ihm als solche erkannt und ergriffen ist Auf ihr beruht die konkrete Stellung des so gewordenen Juden in dem konkreten Gebilde der Erscheinungsform des Sozialismus, seine besondere Stellung innerhalb des Intelektuellenproblems der Partei. Der Arbeiter ist außerordentlich empfänglich für die Vorzüge und die Überlegenheit einer formalen Bildung, wie sie der Intellektuelle mitbringt, eben weil sie ihm abgeht Bringt nun der so bevorzugte Intellektuelle noch den Takt des Geistes und Herzens mit, sich in seine Gefährten einzufühlen, ihnen seine eigene Bedingtheit und ihre eigene Stärke aufzuzeigen, so ist diese Verbundenheit eine kaum mehr zu lösende. Gefühle des Ressentiments gegen den Intellektuellen können abgeschwächt werden, wenn er ihre Sprache spricht und ihre Gefühle kennt und respektiert Diese psychologische Kenntnis fällt in der Regel dem jüdischen Intellektuellen leichter, weil er durch mehr geistige Wirren hindurchgegangen ist, alle Bedingtheiten stärker an sich erkannt hat Diese Feststellungen dürfen nicht den Anschein erwecken, als ob der so gewordene Jude einfach der geborene Führer der Arbeiterschaft sei, Führer im vollen und ausschließlichen Sinne des Volksführers. Er darf viel eher als ein gegebener Mittler und Vermittler angesprochen werden, Vermittler im Innern. Er wird gebraucht, geschätzt und anerkannt in führenden Stellungen bis zu einer bestimmten Grenze, die den wirklichen letzten Führer einschließt: Den Führer, dem es gegeben ist, in allen Momenten von Bedeutung den Kontakt von Vertrauen und Begeisterung zu den Geführten herzustellen, der in sich und seiner Art der Exponent des geschlossenen Massenwillens sein kann, einfach weil die Massen glauben und vertrauen. Gewiß ist er geprüft, angefeindet und umstritten und zuletzt, wenn es darauf ankommt, doch bejaht und getragen von den vielen, denen er Worte verleiht, deren Sinn er zum Ausdruck bringt, äderen Wollen ihn erfüllt Solch ein letzter Führer ist der Jude kaum je. .Einzelpersönlichkeiten wie etwa Lassalle und Viktor Adler sind kein Beweis .20 305