Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 288 (sequence 4)
- Language
- German
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Hilde Landauer tische Partei Es wird jedes Mal klar werden, welche Beziehungen gemeint sind, zu trennen ist es nicht eindeutig. Betrachtet man die äußere Lage der Juden in der anfangs gegebenen zeitlichen und räumlichen Begrenzung, so ergibt sich dieses Bild: Die materielle Bedingtheit der deutschen Juden kann mit Vorbehalt, aber ohne ganz gefährliche Vergewaltigung, als eine besitzbürgerliche, größeren oder kleineren Formates, bezeichnet werden. Hinneigen zum Sozialismus bedingt einen Klassensprung irgendwelcher Art, Ablehnung kann neben allen anderen Bestimmungsgründen eine bürgerlich klassenmäßig bedingte sein, beides allgemeine, nicht jüdische Erscheinungen, in diesem Zusammenhang ohne Interesse. Auch bei der Begrenzung auf die deutschen Juden kompliziert sich die Frage sofort durch die besondere Daseinsform der Juden als volklich noch erkennbares Nichtvolk inmitten eines anderen volklich bestimmten Volkes. Es kreuzen sich zwei Schicksalsgemeinschaften, die im Lauf der Zeiten auch miteinander unauflösliche Bindungen eingegangen sind, „geprägte Form, die lebend sich entwickelt" Jede trennende Betrachtung, — und die Methode fordert an manchen Stellen den Versuch der Trennung, — muß sich ihrer eigenen Fehlerquellen sorgsam bewußt bleiben. — Jede Beziehung zum Sozialismus ist für die deutschen Juden nur im Verbände des deutschen Volkes, des deutschen Staates möglich. Daher gewinnen die Beziehungen einer ganzen Richtung unter den deutschen Juden zum Sozialismus eine besonders schwer faßbare geistige Gestalt Bei den Zionislen ist als bestimmende und fast ausschließlich bestimmende Dominante ihres Judeseins, ihres geistigen Seins, die Zielrichtung auf die volkliche Neubindung des Juden vorhanden. Und zwar ist die Art der Auseinandersetzung und Einstellung auf dieses Ziel bei den hier in Betracht kommenden deutschen, also westeuropäischen Juden bedingt eben durch ihre Zugehörigkeit zum westeuropäischen Kulturkreis und den hier waltenden Bedingungen. Die Juden Westeuropas bilden nirgends eine kompakte Masse mit all den einer Masse eigentümlichen Gruppenbildungen. Sie sind eingesprengt als quantitativ kleine Teilkörper in einen großen Volkskörper. Sie haben sich diesem Volkskörper seit der französischen Revolution, seit der Aufklärung, seit der Emanzipationsbewegung, alle in irgendeinem Maße assimiliert Der Begriff Assimilation, assimilieren wird hier in einem rein tatsächlichen Sinn gebraucht ohne jede Beimischung einer Wertung. Er bezeichnet einen Zustand und nicht ein Wollen. Der genaue Grad dieser Assimilation ist hier nicht zu betrachten, 288