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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 243

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Calvinismus und Judentum
Date
1927-08-01
Page
243 (sequence 1)
Language
German
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Calvinismus und Judentum Von J. V. Bredt Die erste große Frage, die an das neu entstandene Christentum herantrat, betraf das Verhältnis zum Judentum. Die erste Christenheit setzte sich zusammen aus denjenigen Juden, die in Jesus den verheißenen Messias, den „Christus" erblickten. Jhnen war die Anknüpfung an das Alte Testament eine Selbstverständlichkeit, denn dort fanden sie den Ursprung ihrer Überzeugimg von der Messianität des Jesus von Nazareth. Diejenigen Apostel, die von Christus selbst noch ihre Eindrücke empfangen hatten, behielten diesen Standpunkt bei, und in ihrem Sinne war das neue Christentum nur die Vollendung des Judentums. Erst der Apostel Paulus brachte eine neue Lehre. Er hatte Jesus selbst nicht mehr gesehen, aber durch die Erscheinung bei Damaskus eine unmittelbare Inspiration erhalten, die ihn neben die alten Apostel stellte. Paulus war derjenige, der das Christentum innerlich loslöste vom Judentum, indem er nicht die Erfüllung des Gesetzes, sondern die Aufhebung des Gesetzes predigte. Nur durch diese Lehre von Paulus ist es möglich geworden, daß nunmehr das Christentum seinen Siegeszug antrat in das alte Heidentum und dort nicht nur die Religion, sondern auch die Ethik grundlegend umgestaltete. So sehr aber auch das Christentum vom Judentum sich löste: eine Tatsache läßt das Band zwischen dem Alten und dem Neuen Testamente als unzerreißbar erscheinen, nämlich der Glaube an denselben Gott. Dieser Glaube verbindet heute noch grundsätzlich das Christentum mit dem Judentum und sogar mit dem Islam; trennend ist nur die Frage nach der Offenbarung dieses Gottes in den einzelnen Religionen. Die Reformationszeit hat in dieser Beziehung keine Neuerung gebracht Luther hat dem Alten Testamente seine Stellung gelassen, er hat nur dem 16* 243

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