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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 224

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Die Geschichte einer Bekehrung [Rezension]
Date
1927-06-01
Page
224 (sequence 3)
Language
German
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Julius Goldstein: Die Geschichte einer Bekehrung ihn zu einer Versammlung der Heilsarmee führt. Er wird — allerdings nur vorübergehend — gepackt von der Arbeit und der ernsten Hingabe dieser Menschen. Dann erst reift sein Entschluß, sich an den Rabbiner von Nizza um Rat und Hilfe zu wenden. Zum ersten Mal kommt er mit Juden und einer von religiösem Geiste erfüllten Familie in Lebensberührung und empfängt nachhaltende Einwirkungen. Simon Levy weist ihn an den Grand rabbin Elie Benamozegh von Livorno. Er ist nur einmal mit ihm kurz zusammengetroffen. Die entscheidenden Fragen wurden in langen Briefen erörtert, deren Auszüge im Buche mitgeteilt werden. Die Fragen, die hier behandelt werden, drehen sich um die Stellung der Persönlichkeit Jesu, um die Art, wie das Judentum zum Christentum steht, um das Verhältnis der Universalreligion zum Judentum, um den Messianismus und schließlich um die Entscheidung, ob Pailliere zum Judentum übertreten und als Geistlicher in ihm wirken soll, oder ob er als Noachide der religiösen Idee des Judentums, als freier Schriftsteller und Redner dienen solle. Zu letzterem rät ihm Benamozegh und ähnlich äußern sich gutachtlich eine Reihe anderer Geistlicher, u. a. auch Dr. Jacob- Dortmund. Pailliere hat bis dahin äußerlich nicht mit dem Katholizismus gebrochen. Er ringt mit den Fragen, die der Modernismus aufgeworfen hatte. Er schreibt für „L'Univers Israelite" unter einem angenommenen Namen eine Reihe von Aufsätzen mit dem Titel „Elieh Benamozegh et la Solution de la crise chretienne"; er begründet mit mehreren freier gerichteten Protestanten und Katholiken — unter ihnen Pere Hyazinthe — eine interkonfessionelle Societe d'etudes religieuses. Da stirbt im Jahre 1908 seine Mutter, mit der ihn innige Liebe verbunden hat; fast gleichzeitig wendet sich die in Paris neugegründete Union liberale israelite an ihn, um ihn für sich zu gewinnen. Palliere ist der Reformbewegung im Judentum abhold. „Liberal en matiere d'exegese biblique, j'etais conservateur pour tout ce qui concerne le culte traditionel". Trotzdem tritt er schließlich in den Dienst der Pariser liberalen Gemeinde. Dieser letzte Schritt ist nur kurz angedeutet; es ist nicht ersichtlich, wie sich seine Überzeugung mit dem Reformprogramm des Liberalismus abgefunden hat. Er hat uns darüber eine eigne Schrift versprochen. — Was ich hier gegeben habe, sind nur die äußeren Linien eines innerlich bewegten Lebens, das jeden Leser deshalb so tief berührt, weil in das individuelle Schicksal das weltgeschichtliche hineinspielt, und weil Pailliere der seltene Typus eines „Konvertiten" ist, der nicht zum Renegaten entartet. Auch darin befolgt er die Lehren des Judentums, daß er keinen Stein in den Brunnen wirft, aus dem er einstens getrunken hat. 224

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