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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Emil Ludwigs "Bismarck"-Buch [Rezension]
Date
1927-06-01
Page
216 (sequence 1)
Language
German
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Emil Ludwigs „Bismards^-Budi Von Adam Röder Eine Vorbemerkung: Emil Ludwig ist nicht mein Historiker; ich würde es nicht für ein Glück halten, wenn die Historie durchgängig den Wegen Ludwigs folgte. Wir haben es an Treitschke genugsam erlebt, wohin der Geschichtsschreiber gerät, wenn er Tatsachen und Personen der Geschichte zu sehr unter dem Gesichtswinkel seiner grundsätzlichen Anschauungen im Philosophisch-Politischen betrachtet, statt den Dingen und Menschen mit filtrierter Sachlichkeit gegenüberzutreten. Gewiß: kein Mensch kann aus seiner Haut heraus, kann seinem Charakter entrinnen, auch der Historiker kann es nicht. Aber wenn erhöhtes Menschentum darin besteht, den sittlichen Willen zum Beherrscher des Charakterologischen zu machen, dann muß man vom Historiker im besonderen verlangen, daß er seine Welt- und Menschenschau unter die schärfste Kontrolle sachlicher Betrachtungsweise stellt. Mit dieser Feststellung soll nichts gegen Emil Ludwig als wissenschaftliche Potenz und kaum etwas gegen sein Bismarck-Buch gesagt sein. Ludwig ist gründlich, tiefschürfend und von außerordentlicher Belesenheit. Aber er ist trotzdem mehr Künstler und Schriftsteller, denn Historiker pragmatischer Artung. Das hat er in allen seinen bisher erschienenen Geschichtswerken bewiesen; so in seinem Buch von Wilhelm IL, so auch in seinem „Bismarck", das er die Geschichte eines Kämpfers nennt. Ludwig läßt sich manchmal von seiner großen Kunst, durch stilistische Blender die Darstellung zu einem faszinierenden Feuilletonismus zu steigern, dazu verführen, den Silhouetten seiner Helden Züge zu verleihen, die viel mehr aus dem Ludwigschen Seelenleben, denn aus dem der zu Schildernden geboren sind. Interessant, packend, anregend ist die Ludwigsche Art immer; und wie er seine Methode, den Helden, dessen Freunde und Neider selbst sprechen zu lassen, durchführt, den Eindruck größter Sachlichkeit dadurch erzeugt und den Leser dabei doch sachte seine Straße führt — das ist von so künstlerischem Zuschnitt, daß man sich der Darstellung willig hingibt, wenn auch der innere Mensch immer wieder protestiert, jener Mensch wenigstens, der die geschichtlichen Betrachtungsformen an Ranke gebildet hat. „Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt" wird auch das neueste Buch Ludwigs als Erscheinung im Urteil der Mitwelt schwanken. Jene, die ihm seinen 216

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