Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Die Beteiligung der Juden an deutschen Montanunternehmungen
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 207 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Beteiligung der Juden an deutschen Montanunlernehmungen kohlenindustrie steht also das Gros des rheinisch-westfälischen Bergbaus auf der rechten Rheinseite unter Führung christlicher Persönlichkeiten und Familien gegenüber. Um zunächst bei den Steinkohleninteressen zu bleiben, betrachte man auf der anderen Seite Deutschlands das oberschlesische Revier. Schon längst vor dem Kriege haben sich einige der Magnaten mit Finanz- und Handelskreisen in enge Verbindung gesetzt, unter denen sich mehrere jüdische Firmen befinden. Andere Unternehmungen, die sich auf solche Beziehungen nicht einlassen wollten, sind manchmal den Stürmen der Kriegs- und Inflationszeit nicht gewachsen gewesen und mußten saniert werden (Giesche, Kulmiz). Sie wurden entweder von ausländischem Kapital (Harriman) abhängig oder mußten sich unter die Kontrolle der Großbanken bezw. der Konkurrenzkonzerne begeben. Eine der bekannten Händlerfirmen für oberschlesische Steinkohle aus den Revieren der Henckel v. Donnersmarck, Ballestrem und Schaffgotsch ist die Kommandit-Ges. Emanuel F riedländer&Co., die bekanntlich seit Jahren mit der Henckel v. Donnersmarck-Gruppe zusammenarbeitet. Nach dem Tode von Fritz v. Friedländer-Fuld gingen die gemeinsamen Zellstoff- und Kohlechemie-Interessen an Robert Friedländer über. Die Steinkohlenbergwerke und Braunkohlenbeteiligungen blieben bei den Firmen Friedländer, deren Verwaltungsmitglieder maßgebende Posten bei der Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft in Polnisch-Oberschlesien bei der „Bubiag" Braunkohlen- und Brikettindustrie-Akt-Ges. und Aufsichtsratsstellen bei der Priebuser Braankohlen-Akt.-Ges. und der Ostdeutschen Braunkohlen-Akt-Ges. besetzt haben. Geheimrat Dr. Ernst Springer, der bekanntlich der Diskonto- Gesellschaft und deren Erdölinteressen nahesteht, ist auch in der Zentralverwaltung von Friedländer-Fuld tätig. Bei der Üse-Bergbau-Akt-Ges. führt die Gruppe Friedländer augenblicklich einen Kampf mit dem Petschek- Konzern. Weiter sind Friedländer vertreten bei der Balkan-Kohlenhandels- Akt-Ges. und der Hochofenwerk Lübeck-Akt-Ges. Hier fallen ihre Interessen mit denen eines jüdischen Stahlkonzerns, nämlich der Hahn'schen Werke, Berlin (Kammerich-Werke und Albert Hahn, Röhrenwalzwerk) zusammen. Die deutsch-böhmische Gruppe Petschek (Berlin-Aussig) besitzt Interessen in den deutschen Braunkohleagebieten sowie in den Steinkohlenrevieren von West- und Ostoberschlesien. In letzteren ist sie mit einer Fürstenfamilie, nämlich Hohenlohe-Oehringen, eng verbunden. Die Gruppe verfügt in Berlin über die Handelsfirmen Deutsche Kohlenhandels-G. m. b. H., Preußische 207