Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Der Einfluß der Juden auf die "kalte" Sozialisierung
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 199 (sequence 12)
- Language
- German
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Der Einfluß der Juden auf die „kalte" Sozialisierung diger Arbeit und um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt Die Zeit, während deren der Arbeiter arbeitet, ist die Zeit, während deren der Kapitalist die von ihm gekaufte Arbeitskraft konsumiert"1) So forderte Karl Marx, ein Mann jüdischer Abstammung, die Beseitigung dieses Zustandes, die er in der Vergesellschaftung der Produktionsmittel erblickte. Ihm gegenüber steht Sombart, der im Juden den Prototyp des Kapitalisten sieht Er wird so zum Apostel aller derer, die Judentum und Kapitalismus identifizieren. „Zum guten Unternehmer", so sagt Sombart, „bringt der Jude vor allem mit seine Zielstrebigkeit und seine starken Willensspannungen. Zur Auffindung immer neuer Produktions- und Absatzmöglichkeiten verhilft ihm seine geistige Beweglichkeit Aber noch viel mehr als zum Unternehmer ist der Jude zum Händler qualifiziert Der Jude trieft förmlich von guten Händlereigenschaften." Beiden gegenüber betont Walther Rathenau: „Ich möchte behaupten, daß, wer an persönlichem Geldgewinn hängt, ein großer Geschäftsmann überhaupt nicht sein kann." *) Wo stehen wir heute? Neue Wirtschaftsformen scheinen sich vorzubereiten. Die Entpersönlichung des Wirtschaftslebens schreitet voran. Die Zahl der Aktiengesellschaften und der anderen Gesellschaftsformen nimmt ständig zu. Die letzte Berufszählung hat deutlich bewiesen, daß die Zahl der Selbständigen immer mehr abnimmt. Aber parallel mit der kalten Sozialisierung geht die Ausbildung jener Riesenkonzerne und Trusts, die die deutsche Wirtschaft mit ihren Fangarmen wie ein Polyp umfassen. Sombart spricht von „normativen Ideen", die er in dieser starken Konzentration der Wirtschaft erblickt Auch hier entstehen Gebilde mit ausgesprochenem Monopolcharakter. Zwischen zwei Riesensäulen der Wirtschaft, den Staats- und Privatkonzernen wandelt heute verlassen der Einzelunternehmer. Er hängt an der Tradition der persönlichen Initiative und des freien Schaffensdranges. Eingriffe des Staates beengen sein Feld auf allen Wegen, nicht nur durch die Konkurrenz der Staatsbetriebe, sondern durch die Zoll-, Steuer- und Sozialpolitik. Eine freie Wirtschaft gibt es in keinem Lande mehr. Das Ende des „Laissez faire" ist gekommen. „Die Erfahrung lehrt nicht, daß Individuen, die sich zu einer gesellschaftlichen Gruppe zusammenschließen, immer weniger .!) Vergl. Karl Marx: „Das Kapital", Bd. I, S. 194. 2) Werner Sombart: „Die Juden und das Wirtschaftsleben", Leipzig 1911, S. 331 ff. ») Walther Rathenau: „Reflexionen", S. 81. 199