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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 198

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Der Einfluß der Juden auf die "kalte" Sozialisierung
Date
1927-06-01
Page
198 (sequence 11)
Language
German
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Dr. Kurt Zielenziger und Wasserwerke, städtische Straßenbahnen, Theater, Gärtnereien und andere Betriebe sind in Deutschland keine neue Erscheinung. Dazu kamen die Banken, die Sparkassen der Gemeinden und der Provinzialverbände. Berlin allein verfügt heute über ungefähr 60 derartige Unternehmungen, die sich zum Teil auch auf den Handel erstrecken. Die Unternehmertätigkeit der öffentlichen Hand ist also keine wirtschaftlich neue Tatsache, wenn sich auch nicht leugnen läßt, daß sie an Ausdehnung und Bedeutung in den letzten Jahren stark zugenommen hat Dazu kommt der Übergang von der Behördenzu einer Gesellschaftsform des privaten Rechts. Nur die wirklich nach kapitalistischen Grundsätzen durchgeführte Unternehmung der öffentlichen Hand kann auf die Dauer Erfolge aufweisen. Es läßt sich also die merkwürdige Tatsache feststellen, daß die Sozialisierung, wie sie jetzt aussieht, nur eine neue Form des Kapitalismus angenommen hat Daß aber die öffentliche Hand auf diese Weise erfolgreich wirtschaften kann, beweisen trotz mancher Fehlschläge die Abschlüsse der großen Reichswerke und Reichsunternehmungen, beweisen aber auch die Ergebnisse der Preußag und die guten Bilanzen vieler städtischer, besonders der Berliner Betriebe. Unsere Untersuchung, die natürlich die Frage der kalten Sozialisier ung nur in Kürze behandeln und nicht jeden Betrieb, der sich heute in öffentlicher Hand befindet, erwähnen konnte, hat das Eine jedenfalls ergeben: Der Einfluß der Juden auf diese neue Wirtschaftsform ist verschwindend gering. Jüdische Köpfe der Wirtschaft und W^issenschaft waren es zwar, die führend an der Gründung von Reichsbetrieben beteiligt waren. Sie waren es auch, die diese Unternehmungen durch ihre Pläne erst lebensfähig gemacht haben. Jüdische Männer sitzen noch heute zum Teil an maßgebenden Stellen, aber ihre Zahl ist außerordentlich klein. In dem Riesenkonzern der Preußag zum Beispiel findet sich, so viel wir feststellen konnten, kein Jude, dasselbe gilt für die Elektrizitätsunternehmungen des Reiches und Preußens. Ähnliche Resultate liefern die Erhebungen leicht für andere öffentliche Betriebe, und für die städtischen Unternehmungen gilt dasselbe. Es wäre also lächerlich, in dem Juden den Urheber der kalten Sozialisierung zu erblicken. Der individualistische Unternehmer, heute von Tausenden als Idealtypus heiß ersehnt, war es, der Marx vorschwebte, als der rückischtslose Ausbeuter, der kalt lächelnd über Leichen schreitet „Das Kapital ist verstorbene Arbeit, die sich nur vampyrmäßig belebt durch Einsaugung leben- 198

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