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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Der Einfluß der Juden auf die "kalte" Sozialisierung
Date
1927-06-01
Page
189 (sequence 2)
Language
German
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Dr. Kurt Zielenziger: Der Einfluß der Juden auf die „kalte" Sozialisierung Reich, Ländern und Gemeinden bezw. Gemeindeverbänden betrieben werden, mit den privaten Gewerbetreibenden des gleichen Erwerbszweiges in Wettbewerb treten."1) Mit dieser Erklärung traten am 10. November 1926 der Deutsche Industrie- und Handelstag, die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, der Reichsausschuß der Deutschen Landwirtschaft, der Reichsverband der Deutschen Industrie, der Reichsverband der Privatversicherung, der Reichsverband des Deutschen Handwerks, der Centraiverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes und der Zentralverband des Deutschen Großhandels an die Öffentlichkeit Die Spitzenverbände des deutschen Unternehmertums erhoben einen Notruf für den Privatbetrieb, den sie bedroht sahen. Die Ausschaltung der Persönlichkeit, des Unternehmergeistes, des gesunden Gewinnstrebens stellten sie gegenüber der Mechanisierung und Bürokratisierung, die naturnotwendiger Weise mit jedem von der öffentlichen Hand geleiteten Unternehmen verbunden sein müsse. In merkwürdiger Front kämpften und kämpfen noch heute gemeinsam Schwerindustrielle, Landwirte, Einzelhändler und Handwerker. Sie rufen auf zum Kampf gegen den vermeintlichen Feind, der stets weitere Positionen des Wirtschaftslebens erobert. „Es gibt heute keinen Erwerbszweig, bei dem nicht eine Entwicklung gleicher Art von heute auf morgen einsetzen kann, wenn nicht rechtzeitig vorgebeugt wird", so heißt es noch in der gemeinsamen Erklärung der Spitzenverbände. In dieser Front kämpfen aber auch jene Vertreter des Mittelstandes mit, die zum Sturm gegen Konzerne und Kartelle blasen. Man fürchtet die sogenannte „kalte" Sozialisierung, die nicht auf Grund eines Beschlusses der Parlamente kommt, also nicht mit dem Willen der Vertretung des Volkes, sondern auf leisen Sohlen in der Form einer Beteiligung des Staates an Unternehmungen oder in der Begründung eigener Betriebe der öffentlichen Hand. Der Privatkapitalist fürchtet den Kapitalisten Staat. Es hat sich in den wenigen Jahren seit dem Kriege eine merkwürdige Wandlung vollzogen. Ein Auf und Ab in dem Wandel der Wirtschaftsformen hat Deutschland durchmachen müssen, und diese Krisenzeit hat bewiesen, daß weder der reine Individualismus noch der absolute Sozialismus Aussicht auf Verwirklichung besitzen. Durch die Verflechtung des kollektivistischen Staatsideals mit dem egoistisch-ökonomischen Prinzip, das stets allem Wirtschaften immanent sein wird, durch die Umwandlung öffentlicher '!) Vergl. Martin Sogemeier: „Die öffentliche Hand in der privaten Wirtschaft", im Auftrage der Spitzenverbände, Reimar Hobbing, Berlin 1927. 189

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