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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 167

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1927-06-01
Page
167 (sequence 8)
Language
German
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Vom demokratischen zum völkischen Bürgertum allen politisch und kulturell entscheidenden Stellen dieses Landes ausgeschlossen sein. Ginge es daher nach dieser völkischen Theorie, so wären z. B. die in Chile naturalisierten Deutschen zu einem politischen und kulturellen Helotentum verurteilt — was auch durchaus den Forderungen der Chilenisch-Völkischen entspricht Zum Gluck lassen sich die Chilenen deutscher Herkunft nicht von völkischen Theorien einschüchtern. Ein führender Deutsch-Chilene hat mir auf meine Anfrage, wie sich die in Chile eingewanderten Deutschen politisch verhalten, folgende Antwort gegeben: „Auf Ihr Schreiben vom 2. ds. spreche ich Ihnen gerne meine Meinung aus, daß die Zurückhaltung in politischen Dingen zunächst für die Reichsdeutschen und ferner auch für die erst seit kurzem Naturalisierten wünschenswert ist Dagegen halte ich es für berechtigt, ja für notwendig, und bin auch drüben dafür eingetreten, daß die Abkömmlinge von Deutschen, die schon seit Generationen im Lande sind und chilenische Staatsangehörigkeit besitzen, sich in der Politik und im Staatsbeamtentum zur Geltung bringen. In Chile haben sie das auch mit Erfolg zu tun begonnen." Ich betone: diese begrüßenswerten Erfolge der Chilenen deutscher Herkunft stehen in Widerspruch mit den Voraussetzungen des engvölkischen Nationalismus. Er verlangt überall eine hundertprozentige nationale Gesinnung, die keinerlei sprachliche und kulturelle Besonderheit duldet Wenn der Verein für das Deutschtum im Auslande für das Recht einer solchen Besonderheit eintritt, wenn er dafür kämpft, daß den Menschen deutscher Herkunft aus der Pflege deutscher Sprache und Kultur keine rechtlichen Benachteiligungen in ihren Adoptiwaterländern erwachsen — wie? müßte der V. D. A. nicht in eigenem Interesse sich dafür einsetzen, daß jene Gesinnung engvölkischer Intoleranz gegen einige Hunderttausend deutscher Juden im eigenen Lande erlösche? Müßte der Verein für das Deutschtum im Auslande nicht eine Unterabteilung aus sich herausstellen als „Verein für das Deutschtum im Inlande", der für die Wahrung jener Prinzipien der Toleranz im Inlande sorgt, ohne welche er seine edle und wichtige Aufgabe im Auslande nicht erfüllen kann? Die stets bereit liegende demagogische Formel „Schutztruppe des Judentums" darf ihn nicht von dem Bemühen abschrecken, auch für die deutschen Juden das zu fordern, was er für die deutschen Nicht-Juden verlangt Es handelt sich nicht um Vorrechte, sondern um Rechte. Es handelt sich nicht um Sympathien oder Antipathien, es handelt sich um die Anerkennung jener Prinzipien der Toleranz und der Humanität, mit denen auch die Erhaltung des Deutschtums im Auslande steht und fällt 167

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