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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 160

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1927-06-01
Page
160 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Völkischer Antisemitismus Von Julius Goldstein VI. Vom demokratischen zum völkischen Bürgertum Sdil ußbetraoituni; Es isi eine Tatsache von seilsamer Paradoxie, daß der völkische Geislestypus sich am ausgeprägtesten beim Bürgertum findet. Wie war es möglich, daß eine Klasse, die mit den Ideen der Gleichheit und Freiheit sich ihre Emanzipation gegen den ständischen Staat erkämpft hat. ihrer eigenen Vergangenheit untreu geworden ist? Früher setzte das Bürgertum im politischen Leben Vernunft gegen Tradition; heute Tradition gegen Vernunft. Früher kämpfte es gegen die Vorrechte des Blutes, heute für solche Vorrechte. Früher suchte es die Politik der Moral unterzuordnen, heute die Moral der Politik. Früher war es fortschrittlich, heute reaktionär gesinnt. Früher strebte es vorwärts zu den Formen neuen Lebens, heute rückwärts zu den ausgelebten Formen vergangenen Lebens. Früher glaubte es an Humanität und Toleranz, heute verachtet es sie. Diese seltsame Wandlung des Bürgertums kann nur verstanden werden aus der Tatsache, die hier ohne jede abwertende Nebenbedeutung genommen wird^daß die alte Feudalaristokratie des ständischen Staates es fertig gebracht hat, mit ihren gesellschaftlichen und politischen Ideen das Bürgertum zu erfüllen. Die Emanzipation des Bürgertums in Mittel- und Westeuropa vollzog sich im Geiste der Aufklärung, d. h. in einem Geiste, der die Religion um so leidenschaftlicher bekämpft, je mehr sie sich schützend vor die Gesellschaftsordnung der privilegierten Schichten stellt. Die Aufklärung unterscheidet nicht zwischen den zeitlich bedingten Formen der Religion und deren überzeitlichem 160-

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