Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Spinozas Bann
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 148 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Cnrl Gebhard: Spinozas Bann nur zweie .Anspruch erheben dürfen: Piaton und Kanl. An der Kritik seines „Theologisch-politischen Traclats" ist die Weltgeschichte in zwei Hälften auseinandergebrochen und seine „Ethik" ist zum Menschheitsbuch geworden. Spinoza hat die ersten vierundzwanzig Jahre seines Lebens, das heißt die Jahre, die über die Struclur und Tendenz eines Lebens entscheiden, im Judentum verlebt. Nicht in einem geformten und gefestigten Judentum, wie es in jener Zeil die ostjüdische Well darstellte, sondern in einem ringenden und suchenden Judentum, das die Seele lockerte für die Zweifel und Probleme einer neuen Zeit. Was er Maimonides und Chasdai Crescas, Leone Ebreo und Juan de Prado verdankt, würdigt niemand mehr als ich. Seine Problemstellung isl die Problemstellung des Juden, dem ein Leben ohne die Formung durch Gott sinnlos und wertlos erschienen wäre. Aber die Lösung, die Spinoza für sein jüdisches Problem gefunden hat, gehört nicht mehr dem Judentum allein, sondern der Menschheit Drum möge ein jeder Spinoza suchen, von welchem Glauben er auch komme, aber er wisse, daß er ihn nicht in einem Volke, nicht in einer Rasse, nicht in einer Religion findet, sondern im ewigen Bereiche der Menschheit. 148