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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 133

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Kampf gegen Gräber
Date
1927-06-01
Page
133 (sequence 3)
Language
German
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Kampf gegen Gräber ließ, konnte doch auch endlich abgeriegelt werden. Ist diese neue Seuche, die Deutsche zu Grabschändern, zu nächtlich streifenden Hyänen und Schakalen werden läßt, etwa weniger schlimm? In den letzten vier Monaten sind nicht weniger als zehn Schändlichkeiten dieser Art vorgekommen. Ist das nicht genug, um die schärfste Abwehr auf den Plan zu rufen? Hier liegt ein bedenklicher, fast der bedenklichste Punkt der Angelegenheit. Diese Abwehr findet nämlich nicht statt Die Zeitungen nehmen vielfach von den Grabschändungen keine Notiz. Und ebenso wenig hat man von irgend einer wichtigen Stelle des öffentlichen Lebens, von wichtigen Vertretern des Geistes oder der Religion, ein grundsätzliches Wort der Warnung, der Empörung vernommen. Das Gefühl dafür, daß diese Verrohungserscheinungen uns angehen, die Allgemeinheit, das Volk, dieses Gefühl scheint zu schlafen. Eine Stumpfheit scheint eingerissen: Der Grabschänder greift weder Leben noch Eigentum an, also kann sein Tun als läßlich betrachtet werden. Aber dafür ist doch wohl die Gesinnungsgemeinheit bei einer solchen Tat hundertmal ärger als bei Mord und Totschlag, die seelische Verschmutzung widerlicher als bei Diebstahl und Einbruch, und die Ansteckungsgefahr, die Gefahr einer um sich greifenden Verwilderung wahrhaftig nicht zu unterschätzen. Jüdische Grabsteine werden angegriffen, aber getroffen, geschädigt und gekränkt wird damit in erster Linie der Wert und Name unseres eigenen Volkes. Denn zu uns gehören die Täter, und auf uns, auf deutsches Volk und deutsches Wesen beruft sich die Haßgesinnung, der solche Taten entspringen. Wir können diese Strolche nicht abschütteln, und deshalb müssen sie von uns gestäupt und zum Ablasisen von ihren Schändlichkeiten gezwungen werden. Mögen also Andere, die zum Reden berufen sind, schweigen: ich für mein Teil will aussprechen, daß ich mich als Deutscher jener Bestien bis ins Herz schäme, daß ich die Stumpfheit, die so Scheußliches erträgt, tief beklage, und daß ich die Predigt einer Haßgesinnung, die zu solchen Taten führt, für ein nationales Unglück halte. Nicht von dieser Haßgesinnung, ob sie auch noch so viel von ihrer Deutschheit redet, können wir erfahren, wie ein wahrhaft deutscher Mensch zum Mitbruder steht, wie er sich mit allen Neben- 133

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