Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Kampf gegen Gräber
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 131 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kampf gegen Gräber Von Wilhelm Midiel Es gibt eine letzte menschliche Solidarität, die selbst im härtesten Kampf gewahrt zu bleiben pflegt. Sie steht jenseits aller Gegensätze, die Menschen entzweien können; jenseits auch aller moralischen und geistigen Unterschiede, die in so zahlreichen Abstufungen vom Verworfenen zum Edlen führen. Vor der Hilfsbedürftigkeit des Kindes, vor der Majestät des Todes verhält sich der Edelste nicht grundsätzlich anders als der gemeine Verbrecher. Denn hier ergeht Appell an Grundgefühle, die mit dem Individuum und seinem besonderen Wesen nichts mehr zu tun haben; Grundgefühle, die der Art Mensch gemeinsam sincL Die selbst der Wahnsinn nicht auslöscht Ja, die so tief liegen, daß sie fast noch in die Schicht unserer Tierverbundenheit hinabreichen. Mit dem Ausdruck tiefer Empörung haben deutsche Blätter vor Jahren Bilder von den Zerstörungen veröffentlicht, die im ehemals feindlichen Ausland an deutschen Soldatengräbern verübt worden waren. Wer diese Bilder sah, wußte ohne Überlegung: Hier liegen Übergriffe vor, die aus dem Bereich des Menschlichen hinausführen. Denn der Grabschänder verleugnet jene letzte menschliche Solidarität, für die ohne weiteres klar ist, daß der entseelte Mcnschenleib und seine Ruhestätte die A r t Mensch angeht, nicht den Deutschen oder Belgier oder Franzosen. Mit Recht wurde damals häufig betont, daß die Achtung vor dem Tod und überhaupt vor allem, was zu den letzten Menschlichkeiten gehört, der deutschen Empfindungsweise besonders eingepflanzt ist Gerade für das deutsche Empfinden ist der Grabschänder derjenige, der 9* X3X