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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 125

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
[Rezension]
Date
1927-04-01
Page
125 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen und Anzeigen mit fortgeschrittener Sozialpolitik. Im einzelnen behandeln die Arbeiten Bauernschutzpolitik (Karl Schmidt), Innere Kolonisation (Otto Swart), Genossenschaftswesen (Willy Wigodzinski u.VahanTotomianz), die Klassen auf dem Arbeitsmarkt und ihre Organisationen, Arbeiterschutz (beides v. Emil Lederer und Jakob Marschak), Sozialversicherung (Lederer), Mittelstandspolitik (Theodor Brauer), Konsumvereinspolitik (Robert Wilbrandt) und Caritätspolitik (Fürsorge und Wohlfahrtspflege) (Adolf Weber). Da dieser Band infolge von Krieg und Nachkriegsverhältnissen erst 1927 erscheinen konnte, war den Bearbeitern Gelegenheit gegeben, ihre zum Teil vor dem Krieg geschriebenen oder entworfenen Aufsätze von Grund aus umzugestalten und aufs Laufende zu bringen. Das ist im allgemeinen geschehen bis zum Dezember 1926. Dadurch werden die Arbeilen besonders wertvoll. Freilich ist hier wie auf vielen andern Gebieten alles so sehr im Fluß, daß die Zeit trotzdem in einem bereits den Band überholt hat. Eine Neuauflage müßte auch jenen jüngsten Zweig der Sozialpolitik berücksichtigen, der gewisse Notstände wie z.B. die Arbeitslosigkeit oder Wohnungsnot durch Planwirtschaft zu heilen sucht. Hier erst wird das Übel an der Wurzel gefaßt, weil nicht dieser oder jener Wunde ein Pflaster aufgeklebt wird, sondern weil jene Krankheiten, die aus der Anarchie der kapitalistischen Wirtschaft kommen, durch Ordnung der Wirtschaft bekämpft werden. OttoMeller. Gespräche mit Heine, zum erstenmal gesammelt und herausgegeben von H. Ii. Ii o üben. XIV, 1071 S. Literarische Anstalt Rütten & Löning. Frankfurt a.M. 1926. Ferdinand Lassalle erzählt uns von einem der vielen Besuche Heinrich Heines bei Hegel während seiner Berliner Studienzeit. Da der Philosoph beschäftigt war, trat der Schüler des berühmten Meisters an das offene Fenster und schaute in die Sterne. Die warme Nacht und der Glanz der Gestirne lösten eine romantische Stimmung in dem jungen Dichter aus; erst innerlich, dann unwillkürlich laut phantasierte Heine über den Sternenhimmel, der die göttliche Liebe und Allmacht bekunde. Da legte sich dem andächtig Versunkenen Hegels Hand auf die Schulter und der Schwärmer hörte das kluge Wort: „Die Sterne sind's nicht; doch was der Mensch hineinlegt, das eben ist's." Heinrich Heine gilt den einen als der vom Himmel abgestürzte dämonische Stern, den ein jüdischer Prophet beklagt; die andern preisen ihn als einen der befreienden Menschheitslehrer, von denen wiederum Israels Prophet rühmt, daß sie leuchten wie des Himmels Sternenglanz. Ist's Morgenröte, ist's Abendröte? Durch Heines unruhiges Leben, durch sein wildbewegtes Nachleben treiben sich unendlich viele Menschen — von 1802 an, wo man den Vierjährigen in die Mädchenschule schickte zu der öojährigen altjüngferlichen Vorsteherin, die der lebhafte Junge so erfinderisch haßte, bis iS54, wo der jämmerliche Absterbende in seiner Pariser Matratzengruft noch seine Niederschriften, mit Bleistift auf Foliobogen, in den großen Korb neben seinem engen Bett wirft und mit dem Tode kokettiert, in seinen Martern aufschreit und seine Feinde langsam am Spieß brät. Und wiederum wandern die Pilger und die Richter aller Völker bis in dieses Jahr durch Heines Leben und Schaffen hindurch mit Liebe und mit Haß. Jedes Datum seines Erdendaseins und jeder Vers und jedes Prosawort — „was der Mensch hineinlegt, das eben ist's". Will man diesen Kaleidoskopcharakter eines Genies in verwirrender Buntheit anschauen, so lese man die 82 5 knappen und ausführlichen Äußerungen, die H. H. Houben — man dürfte ihn mit seinen abgekürzten beiden Vornamen wohl den Hei nrich Heine- Houben nennen — auf 1000 Druckseiten zum erstenmal in dieser Vollständigkeit gesammelt und erläutert hatl Die erstaunliche literarkri tische Leistung des vielseitig verdienten Gelehrten, dem wir Aufschluß über Gutzkow und Laube, über Goethes Eckermann und Emil Devrient, über die deutsche Revolution und die Schildbürgereien der Zensur verdanken, nötigt uns restlose Anerkennung ab. - Aus gedruckten und ungedruckten Quellen schöpft er, sich keineswegs beschränkend auf die Schätze in der Düsseldorfer Landes- und Stadtbibliothek und in der Preußischen Staatsbibliothek, so unbeschränkt sie ihm flössen. Und so besitzt nun das geistige Deutschland neben Heines Werken und seinen Büchern diese authentische kritische Aufstellung seiner Gespräche mit erschöpfendem Fundnachweis. Natürlich, ohne z. B. Heines Niederschriften über die Gespräche mit Ludwig Börne aus seinem Börnebuch einfach nachzudrucken. 125

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