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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 124

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
[Rezension]
Date
1927-04-01
Page
124 (sequence 1)
Language
German
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Besprechungen und Anzeigen Das soziale System des Kapitai Ismus. Grundriß der Sozialökonomik IX. Abteil. Tübingen. Verlag von J. C ß. Mehr (Paul Siebeck), i. Teil: Die gesellschaftliche Schichtung im Kapitalismus, 1926. 2.Teil: Die autonome und staatliche soziale Binnenpolitik im Kapitalismus. 1927. Das Bild des Kapitalismus verliert immer mehr von seiner romantischen Spukhaft:gkeit. An Stelle pathetischer Wertung und Abwertung schenkt man ihm heute objektive Betrachtung und kritische Würdigung. Wie weit gerade in den letzten Jahren die Abwendung von theoretischen Konstruktionen und die Hinwendung zu schlichter Tatsachenforschung ihm gegenüber gediehen ist, dafür legen die wertvollen Abhandlungen des ersten Teiles dieses Werkes Zeugnis ab. In der vorkapitalistischen Gesellschaft hat der Kapitalismus atomisierend gewirkt; heute werden Unternehmer und Arbeiter mit oder ohne ihren Willen auch über den Einzelbetrieb hinaus in neue Zusammenhänge eingeordnet. Neben der politischen Zersetzung feudaler Gewalten steht die Neubildung von Organen, durch die die neue Wirtschaft selbständig nach der Staatsgewalt greift. Und wie immer wieder in der Geschichte der Unterjochte sein Lebensgesetz dem Sieger aufprägt, zeigen sich auch hier durch Verschmelzung der industriell - bourgeoisen Sphäre mit der agrarisch-feudalen allenthalben Rückbildungen zu vorkapitalistischen Ausgleichen. Die Verbürgerlichung des Arbeiters schreitet ebenso fort wie die Ausbildung einer eigentümlichen großbürgerlichen Aristokratie. In einer geschichtlichen Einleitung zeigt Carl Brinkmann die Grundlinien der Umformung der kapitalistischen Gesellschaft, leider in einer durch die gedrungene Form schwer lesbaren Darstellung. Die übrigen Abhandlungen des Bandes behandeln die. einzelnen Gesellschaftsschichten im Kapitalismus, als Aristokratie (Brinkmann), Bauerntum (Gerhard Albrecht), gewerblichen und kaufmännischen Mittelstand (L. D. P e s 1), neuen Mittelstand (Emil Lederer und Jakob Marsch ak), Proletariat (Goetz Briefs). Dieser Aufsatz verdient besondere Beachtung wegen seiner neuen über das Wirtschaftliche hinausgehenden Betrachtungsweise des Problems: „Der Untergrund der proletarischen Unruhe liegt im Weltanschaulichen und Sittlichen — und erst das verleiht den konkreten wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten des proletarischen Lebens ihre unerträgliche Härte und Schwere. Hier hört das Problem auf, eine Messer- und Gabelfrage, eine Lohn- und Arbeitszeitfrage, eine Geltungs- und Machtfrage zu sein. Hier entschleiert sich sein geheimstes Inneres: die Leere des Herzens des Menschen in unserer Zeit." Es folgt eine umfangreiche Arbeit über die Psychologie der antikapilalistischen Massenbewegungen (Robert Michels), die im Streben nach Lückenlosigkeit zuviel in die Masse hineingeheimnist und so Erscheinungen und Strebungen der Masse zuschreibt, die sich ebenso gut beim Individuum oder einem sozialen Organismus finden. Der Band schließt mit zwei außerordentlich gründlichen und reichhaltigen statistischen Aufsätzen von Georg Neuhaus über die berufliche und soziale Gliederung, sowie über die Bevölkerungsbewegung im Zeitalter des Kapitalismus. Der zweite Band bringt in neun Abhandlungen einen Überblick über das bisher in der Sozialpolitik Erstrebte und Geleistete, über den Stand der Gesetzgebung, über Einrichtungen, Veranstaltungen und Organisationen. Berücksichtigt ist vor allem Deutschland und Österreich, darüber hinaus aber auch vielfach andre Länder 124

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