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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Die Spinozafeier im Haag
Date
1927-04-01
Page
122 (sequence 3)
Language
German
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Rudolf Hallo: Schrift und Handwerk lung wertvoller Dokumente, Bilder und Bücher aus der Zeit Spinozas soll als Spinoza-Museum auch weitere Kreise zum Besuch einladen. Vorlesungen, Kurse und Tagungen werden alljährlich regelmäßig hier stattfinden. Bei der feierlichen Einweihung des Hauses überbrachten 28 Vertreter von Universitäten, Akademien, Instituten usw. Glückwünsche und feierten Spinoza in warmen Worten tiefer Verehrung. Ein Ausflug nach Voorburg, wo Spinoza sechs Jahre seines Lebens zubrachte und am Abend ein Empfang durch die Stadt beendeten den offiziellen Teil der Feier, dem sich in engerem Kreise ein Spinoza- Kongreß anschloß. Auf den tiefen zeitgeschichtlichen Sinn dieser Zusammenkunft ist eingangs schon hingewiesen worden. Mit der gleichen Notwendigkeit, die sie bedingte, stärkt sie zugleich wiederum den bpinozismus und fördert ihn als Kulturelement unserer Zeit. Schrift und Handwerk Ausstellung der Schule Rudolf Kochs in Dannstadt Von Rudolf Hallo Im fünften Heft des vorigen Jahrgangs (S. 527 f.) durfte ich von Rudolf Kochs „Zeichenbuch" schreiben. Heute kann ich von einer Gesamtausstellung der Offenbacher Schule Rudolf Kochs sprechen, die der maßgebliche Wille dieses seltenen Lehrers zu einer einheitlichen Erscheinung geprägt hat. Noch bis in den April hinein ist diese seit Januar geöffnete Ausstellung im Gewerbemuseum in Darmstadt zugänglich, in ihrem geraden Willen programmatisch durch eine Broschüre erschlossen, die den Titel trägt: Schrift und Handwerk. Schon beim Zeichenbuch war jene ganz eigenartig warme Durchblutung aller Deutungen und Darstellungen spürbar, die aus der Hingabe an die Dinge entspringt. Hier in dieser Ausstellung überrascht uns Koch — trotz Kunsthistorikern, Begriffsästheten und Skeptikern — mit einer fest und sicher auf dem Boden stehenden „religiösen" Kunst. Ihretwegen spreche ich hier von der Ausstellung. Völlig frei von historisierenden oder glorifizierenden Anwandlungen hat Koch mit seinen Schülern, unter denen neben Kredel vor allem der junge Jude Berthold Wölpe zu nennen ist, eine beschränkte Zahl jüdischer Kultusgegenstände geformt, deren sachliche Ernsthaftigkeit überzeugt und deren Materialschönheit begeistert. Zunächst wohl angeregt durch den häuslichen Bedarf eines Freundes von Koch, sind diese Gegenstände hernach über diesen engen Rahmen hinausgewachsen und zu allgemeiner Gültigkeit aufgestiegen: Schüsseln und Silberkelche für den Sederabend, Gerät für die Synagoge, die Deckplatte für ein jüdisches Grab. Wie auf dieser Bronzeplatte die ewig aufgereihten fünf Buchstaben der Wunschformel: Sei seine Seele eingebunden in den Bund des Lebens, aufgelockert und zu ebensoviel schweren Nagelköpfen geworden sind, die diese schützende Decke über den Toten binden, das gehört neben den griffesten gestickten Wandteppichen mit ihren hebräischen und deutschen Gebetszeilen zu dem Besten der Ausstellung. Alles ganz unpretiös, in seiner Struktur unverdeckt, satt und bestimmt in den Farben und fest in der Zeichnung: ein eindrucksvoller Beweis für neue Möglichkeiten in der sakralen Kunst. Ich sehe eine wirkliche Tat darin, Gegenstände, die 122

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