Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Juden in der Textilindustrie
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 107 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2895450-2895467-2895469-2897650--01798-2897782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Juden in der Textilindustrie Leipzig, Breslau und einige andere Orte, soweit die Versorgung Deutschlands in Betracht kommt Die Konzentration der Rohwolle an den Zentralmärkten ist zum Teil eine Aufgabe jüdischer Händler, deren Einfluß aber, da es sich in der Hauptsache um Gebiete des britischen Welthandels dreht, nicht allzu sehr ins Gewicht fällt Einige deutsche Firmen, die sich durch Verbindung mit argentinischen Wollfirmen hiervon unabhängig gemacht haben, arbeiten überdies sozusagen innerhalb ihrer Familie. Dazu gehören der größte deutsche Kammgarnkonzern, die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei unter Führung der Familie L a h u s e n und die Gruppe Hardt (Wülfing & Sohn, Lennep). Ebenso wie diese stehen auch die meisten anderen deutschen Kammgarnspinnereien unter christlicher Führung, wie beispielsweise Düsseldorf, Leipzig-Elberfeld (d. h. der mit der amerikanischen Gesellschaften verschachtelte Stöhr-Etag-Konzern), wobei der Vorname des bekannten Verwaltungsmitgliedes Abraham Frowein auf seine Zugehörigkeit zu einer der alten Wuppertaler Familien schließen läßt Diese sind bekanntlich bei ihrer Bandweberei zu ernster Bibelforschung, Pietismus und Sektierertum gekommen, haben aber an sich nichts weiter mit dem Judentum zu tun. In der Streichgarnindustrie ist die Situation wesentlich anders. Bei mehreren der großen Firmen stehen Juden an der Spitze wie bei der Elsässisch-Badischen Wollfabriken-A.-G. und der Tannenbaum, Pariser G.m.b.H., in Berlin. Einige Interessenbeziehungen (Moses Low Beer, Sagan) und Direktoren der sehr großen Deutschen Wollwarenmanufaktur Akt-Ges. in Grünberg sind jüdisch. Für die Tuchindustrie im allgemeinien ergibt sich aus der Firmenliste der Deutschen Tuchkonvention, daß etwa acht bis zehn von 66 Tuchfabriken in Aachen, neun bis zehn von 58 in Cottbus oder zehn von 210 meist sehr kleinen Betrieben in Forst, somit durchschnittlich vielleicht zehn Prozent aller Firmen in jüdischer Hand sind. In Westdeutschland ist durch Gebr. Aschaffenburg in München - Gladbach und andere der jüdische Einfluß auf die Gladbacher Wollindustrie-Akt-Ges. und die Bedburger Wollindustrie nebst nahestehenden Firmen maßgabend. Unter den Börsenwerten sind ferner zu nennen die Bautzener Tuchfabrik Akt-Ges. mit jüdischen Verwaltungsmitgliedern, die Tuchfabrik Aachen vorm. Süskind & Stern, die Anton & Alfred Lehmann-Akt-Ges. und die nahestehenden Vereinigten Märkischen Tuchfabriken-Akt-Ges. in Berlin (hier durch Aufsichtsratsverbindung zum Handel und zur Konfektion), ferner die Rumpf - 107