Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Juden in der Textilindustrie
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst Landsberg dabei zu berücksichtigen, daß die angebliche Bevorzugung der jüdischen Textilhändler hinsichtlich ihrer sozialen Position hauptsachlich darauf zurückzuführen ist, daß es heute eine öffentliche Meinung und eine allgemeine Intellektualität gibt, die stärker als je auf das Praktisch-Rationale in Verbindung mit dem Aesthetisch-Wertvollen gerichtet und somit gerade der beweglichen Denkungsart des jüdischen Händlers besonders adäquat sind- Doch fällt bei dieser Betrachtungsweise auf, daß in den anderen Zweigen des Handels (Lebensmittel, Getreide, Haushaltswaren), soweit sie auch den täglichen Bedarf betreffen, weder dort, wo jüdische Händler tätig sind noch da, wo sich die an Zahl bedeutenderen christlichen Händler finden, kulturell besonders Bemerkenswertes geleistet wird. Die Wechselbeziehungen zwischen jüdischen Kaufleuten und allgemeiner Zivilisation scheinen also besonders dem Textilgebiete eigentümlich zu sein. Sie führen hier zu wichtigen gegenseitigen Anregungen und praktischen Maßnahmen, d. h. geschäftlichen Kombinationen, die man in anderen Gewerben nur sehr wenig kennt (evtL im Baugewerbe) und die unserer Zeit eigentümlich sind- In der Wirtschaftsgeschichte spielen diese Beziehungen aber keine nennenswerte Rolle, so bedeutend sie heute auch sein mögen. Noch bis in die letzten Jahrzehnte hinein konnten die speziell „jüdischen" Fähigkeiten kaum zu einer über die jüdischen Kreise hinausgehenden Wirksamkeit gelangen. Was bedeutete schließlich der Handel als Machtfaktor in früheren Jahrhunderten?! Man achtet ihn doch erst, seitdem die internationalen Wirtschafts- und Finanzbeziehungen über die inländische Wirtschaft dominieren. Früher waren Handel und Produktion vom Geschmack und Willen der einzelnen Länder oder sogar der kleinsten mit Grenzen politischer und kultureller Art umrissenen Gebiete abhängig. Der Händler hatte vollauf zu tun, um die primitivsten Handelsbehinderungen zu überwinden und den individuellen Ansprüchen des Publikums zu genügen. Erst in den letzten beiden Jahrhunderten entwickelte sich in Deutschland eine allgemein gelesene Literatur, Zeitungen gelangten zur Millionenverbreitung, Film, Reklame und andere Medien zur Einwirkung auf die Massen wurden geschaffen. So richtet man sich heute allgemein und in ganz großen Gebietskomplexen nach der in Bild und Presse für die breitesten Massen propagierten Mode oder Geschmacksrichtung., die aus gewissen internationalen Strömungen angeblich unter Führung von Paris erzeugt wird. Die für die Bearbeitung dieser Dinge befähigten Menschen dominieren, einerlei ob Juden oder Christen. Sie wirken too