Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Völkischer Antisemitismus
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 68 (sequence 1)
- Language
- German
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Völkischer Antisemitismus Von Julius Goldstein V. Irrtümer der Völkisdien Solange es Untertanen im strengen Sinne des Wortes gab, hatten Fragen der kulturellen oder anthropologischen Verschiedenheit der Menschen keine entscheidende politische Bedeutung. Vor dem Fürsten galt nicht die Stammesherkunft sondern die Standesherkunft Ob einer aus Frankreich oder Ungarn zugewandert war, ob er polnisch oder tschechisch sprach — sofern er sich als Untertan den Gesetzen des Fürsten fügte, waren seine politischen Rechte die seines Standes- Und die Rechte des Standes bestimmte der Fürst Er hatte nur ein Bestreben: sein Land zu vergrößern, seine Dynastie reicher und mächtiger zu machen — woher die Menschen stammten, die Reichtum und handwerkliche Geschicklichkeit brachten, war ihm gleichgültig.1) Nur realpolitische Erwägungen waren entscheidend. Wie sich die Neusassen mit den Alteingesessenen vertrügen, ob sie ihnen angenehm oder unangenehm waren: das stand nicht zur Erörterung. Jahrhundertelang herrschte diese Ordnung der Dinge; ob auch gleich hie und da Empörungen gegen sie stattfanden, sie stellte ihr Gleichgewicht immer wieder her. Nicht um die Voraussetzung dieser Ordnung, nur um die Art ihrer Anwendung wurde gekämpft Das Verhältnis von Obrigkeit und Untertan galt als sakrosankt — in Deutschland bis tief in das 19. Jahrhundert hinein.!) „Aus Italien, Pi«mont, aus den Niederlanden, aus Frankreich, England, Dänemark, Rußland, Polen, Griechenland, der Schweiz und Österreich bezog Preußen Kolonisten." (Gustav Schmoller: Umrisse und Untersuchungen zur Verfassungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte, besonders des preußischen Staates im 17. und 18. Jahrhundert, Seite 582.) 68