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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Ein Versuch analytischer Darstellung der Träume und der Träumer in den Büchern des Alten Testaments
Date
1927-04-01
Page
57 (sequence 1)
Language
German
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Ein Versuch analytischer Darstellung der Träume und der Träumer in den Büchern des Alten Testaments Von Berndt Götz Wer es unternimmt, an alte Werte den Maßstab moderner Forschung anzulegen, wird ehrfürchtig vor dem alten Stoff und zurückhaltend sein müssen, um ihm nicht formverändernden Zwang anzutun. Wer eine Traumpsychologie des Alten Testaments schreibt, darf den Traumerzählungen der Bibel nichts unterstellen, was vielleicht sein Forschungsergebnis abrunden, den großartigen Gegenstand aber mindern würde. Psychische Ursprünge dürfen also nicht schlechthin da konstruiert werden, wo der gottgläubige Bibelredaktor Gottes Walten spürte. Unsere Arbeit stellt einen Versuch dar, nachzuweisen, ob und in welchem Maße der Bibel bei der Behandlung des Traums und der Träumer die Fähigkeit psychologischer Beobachtung zu Gebote stand. Schon eine summarische Übersicht über die Kasuistik der biblischen Träume zeigt, daß eine noch heute landläufige Denkweise bereits damals herrschte. Die überlieferten Träume sind sämtlich mantisch und so beschaffen, daß sie durch ihren sonderbaren, auffallenden Inhalt sich vom gleichmäßigen, begreiflichen Tageslauf unterscheiden und dadurch gebieterisch eine Deutung fordern. Die frühesten biblischen Träume sind von einfachster Struktur: Sarah wurde von Abimelech ihrem Gatten Abraham fortgenommen, der sie nicht als sein Eheweib, sondern als seine Schwester ausgegeben hatte. Eine räuberische Absicht Abimelechs lag nicht vor, da er ja in gutem Glauben handelte. Im Traum warnt Gott den König, er sei auf schlimmem Wege, die Heiligkeit eines Ehebundes frevelnd zu verletzen. Schon am nächsten Tage wird Sarah ihrem Gemahl zurückgegeben. Über das Formale, sowie über die psycho- 57

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