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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Walter Rathenau als Deutscher und Jude in seinen Briefen und Schriften
Date
1927-04-01
Page
45 (sequence 1)
Language
German
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Walter Rathenau als Deutscher und Jude in seinen Briefen und Schriften Von Emst Jacob Rathenaus Bekenntnis zur Religion des Judentums. (Sdüuß.) Rathenau war eine ausgesprochen religiöse Natur, er spricht es häufig aus1): „Ich glaube an eine Gottheit, der wir alle mit gleichen Kräften zustreben." Er will das höchste Leben des religiösen Bewußtseins.2) Religion ist ihm „Nicht Privatsache, sondern Menschheitssache".3) Seine Religiosität ist auf das Transzendente gerichtet und will sich bewußt von dem Irdischen abwenden. „Für mein Empfinden ist Religion nicht Leben und Wirken, sondern Schauen, Glauben, Einfühlen, Leben."4) „Mir sind die transzendenten, das zweckhafte Denken und Handeln des Lebens überschreitenden Elemente der Religion die grundlegenden."4) Hierin liegt unzweifelhaft eine gewiss-.» Hinneigung zu christlicher Betrachtungsweise. Am stärksten hat er diese Hinneigung formuliert in dem bekannten Satz der Streitschrift vom Glauben: „Ich stehe auf dem Boden der Evangelien."5) Obwohl dieser Satz schon in der Streitschrift im Verlaufe einer Auseinandersetzung steht, in der die Annahme des Christentums entschieden abgelehnt wird, ist er mißverstanden worden. Rathenau selbst hat deshalb in mehreren Briefen seine Meinung näher erklärt Zunächst stellt er fest, daß für ihn ein Gegensatz zwischen der religiösen Einstellung der Evangelien und des Judentums nicht besteht, „jedoch auch keine volle Identität, so etwa, wie man sagen kann: Gotik ist abendländische Baukunst, jedoch nicht alle abendländische Baukunst ist Gotik. Ansätze zur evangelischen Einstellung haben sich in allen Entwicklungsstadien des i) Briefe Nr. 191. — *) V S. 117 Streitschrift. — 3) Briefe Nr. 464. — *) Briefe Nr. 307. — *) V S. 109 Streitschrift. 45

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