Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Das jüdische Kind in der Schule
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 3 (sequence 1)
- Language
- German
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Das jüdische Kind in der Schule1) Von Michael Müller-Claudius Der Geist entwand sidi blindlings aus der Siele; Entlaufne Seele ward zum törigen Spiele. Stefan George Kindheit und Fremdheit Wir sind im allgemeinen noch sehr weit davon entfernt, die formende Gewalt des sozialpsychischen Erlebnisses in der Schule hinreichend zu würdigen. Für das Auge der Eltern bleibt das Schulkind — wenigstens bis zum Eintritt der Pubertät — das Einzelwesen, dessen entscheidende Erlebniskreise sich füllen und weiten, und dessen wesentliche Gestaltbildung sich vollzieht aus den Kräften, dem Kulturwillen, der Teilnahme und den seelischen Fügungen des Elternhauses. Nur wenige Stunden gehört das Kind der Schulklasse und ihren amtlichen Forderungen; nur im Umfang dieser amtlichen Forderungen vermag es sich dort zu betätigen. Die persönliche Entfaltung und die innere Reife der Bildungsgehalte, die der Schulvormittag gesät hat, geschieht in der Stille und Behütung des Elternhauses — oder jene Saat bleibt wurzellos, wird nicht treibend-organische Bildung, sondern blutlose, seelisch unfruchtbare und formelhaft-kalte Erfüllung des bloßen Intellektes. Allein wie hoch oder wie gering man die Darbietungen der Klassenstunde veranschlage: das wesentliche und einzigartige Schulerlebnis von formender Gewalt muß von der soziologischen Seite her gesehen werden. Denn die Schulklasso ist nicht nur eine Arbeitsgemeinschaft, sondern eine Schicksalsgemeinx) Aus einem demnächst bei C. A. Schwetschke & Sohn (Berlin) erscheinenden Buche: „Deutsche Rassenangst". 3