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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 620

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
[Rezension]
Date
1927-02-01
Page
620 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen der er die größte Gefahr für die westeurofiäische Kultur erblickt, als eine jüdische dee hin, und überträgt dadurch den Kampf schließlich auf das den Juden so vertraute Gebiet des Antisemitismus. Es kann nun zwar nicht geleugnet werden, daß die u r christliche Idee von einem Juden in die Welt gesetzt worden ist. Aber ebensowenig läßt sich leugnen, daß gerade die Juden das Urchristentum bis auf den heutigen Tag abgelehnt, es sich nicht einmal zu einem passenden Gewand zurechtgeschnitten haben und zwar gerade wegen jener Grundidee, um derentwillen es Sir Galahad als kulturzerstörend bekämpft: nämlich der „Umkehrung aller bejahenden Wertekaien", d. h. wegen des Kampfes gegen Individualismus, Vornehmheit und Qualität und der Proklamierung einer lebensfeindlichen Sklavenmoral, die schließlich zu völliger Blutleere und Stagnation führen muß. Es geht nicht an, ein ganzes Volk verantwortlich zu machen für die Lehre eines Einzelnen, dem von seinen damaligen Volksgenossen nur einige Wenige gefolgt sind — ein Häuflein jener „geistig Armen", jener „Erniedrigten und Beleidigten", die man in jeder Nation finden kann. Noch weniger aber geht es an, einem Volk, wie es Sir Galahad tut — da er ja die ablehnende Haltung der Juden dem Christentum gegenüber zugeben muß — die niederträchtige Absicht zu unterschieben, nur andere Rassen mit dieser gefährlichen Idee infizieren zu wollen, sich selbst aber wohlweislich vor der Gefahr zu bewahren. Christus, der Urheber dieser „Gefahr", hat sich doch stets nur als Heiland der Juden gefühlt, sich bei seinen Bekehrungsversuchen ausschließlich an seine eigenen Volksgenossen, nie an einen Griechen oder Römer, gewandt und seinen Jüngern ausdrücklich befohlen: „Gehet nicht auf der Straße zu den Heiden hin und ziehet in keine samaritanische Städte, sondern gehet vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel." Daß nun dieser also durchaus nationale Messias von seinem eigenen Volk ans Kreuz geschlagen und seine Lehre nur von einem Häuflein christlich gewordener Juden unter die fremden Völker getragen wurde, — so von einem Paulus, der eben kein S a u 1 u s mehr war — ist das Hauptkennzeichen für das völlig Unjüdische seiner Lehre und widerlegt auch die Behauptung von Judas vorsätzlicher Zerstörung fremder Kulturen. Wie diese Zerstörung überhaupt möglich sein soll, ohne daß die Juden sich selber zu „infizieren" und Christen zu werden brauchen, oder wo sich die Zwischenhandelsstelle für ihren gefährlichen Exportartikel befindet, wird dem Leser des „Idiotenführers" leider vorenthalten. Da nun also Sir Galahads Behauptung, daL> das Urchristentum eine typisch jüdische Erfindung sei, — wenn auch nicht zu eigenem Gebrauch — jeder Voraussetzung entbehrt, so ist auch sein Beweis dafür unhaltbar: nämlich, daß gerade die Juden die russische Literatur als Trägerin der urchristlichen Idee zum Zweck der Zerstörung europäischer Kultur propagieren. Daß in einer Zeit, die sich für das Russentum als stark empfänglich erwiesen hat, auch die Juden mitunter für die russische Idee eingetreten sind, ist nicht erstaunlich und kein Beweis für das Jüdische an dieser Idee oder für die dolose Absicht ihrer Verbreitung. Demnächst müßte z. B. das deutsche Volkslied völlig von jüdischem Geiste beseelt sein, da kein Komponist ihm innerlich je so nahe gekommen ist, wie gerade der Jude Mendelssohn. Daß ferner die Literaten, ja selbst die großen Dichter und Denker anderer Rassen, wie Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Romain Rolland, Alfons Paquet u. a. m. gleichzeitig von dem russischen Gedanken angezogen, oft sogar in ihren Werken stark beeinflußt worden sind und sich für ihn eingesetzt haben, läßt den Beweis vollends als Trugschluß erkennen. Genau so ergeht es nun der Beantwortung, die sich mit der zweiten und eigentlichen Kernfrage — dem Bolschewismus — beschäftigt. Mag man auch mit Sir Galahad annehmen, daß diese, den u r christlichen Gedanken „nur um ein Stockwerk tiefer verlegende Lehre" — denn das Reich Jesu war „nicht von dieser Welt" — ebenfalls von einem Juden, nämlich Karl Marx, erfundenJ worden ist: Trotzdem macht der bereits erbrachte Beweis, daß die u r christliche Idee eine durchaus unjüdische ist, jede weitere Ausführung überflüssig, daß die Lehre des vornehmlich von Hegel und Feuerbach beeinflußten Juden Marx rein jüdisches Gewächs ist. Wie wäre es wohl auch sonst zu erklären, daß gerade die größten geistigen Träger dieser Idee, wie Engels, Lenin, Derjinski, keine Juden sind I Und so schlägt sich auch Sir G a 1 a - h a d mit seinen eigenen Waffen, da er den 620

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