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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 618

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
[Rezension]
Date
1927-02-01
Page
618 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen Erlösung." „Dostojewski wollte durch Christus als Person hindurch, um zu Christus als Logos zu gelangen": zu dem Geist der Liehe, der die ganze Welt erfüllt. So wächst das Gebäude der Weltanschauung Dostojewskis, aus seinen Gestalten selbst errichtet, vor uns empor, einer Himmelsleiter gleich, deren Spitze an die Wolken rührt, aber ohne in ihnen zu verschwinden. Aljoscha Karamasoff ist die lichte Spitze des Gebäudes: der reine Mensch der Liebeswirklichkeit. Unendlich tief stellt Prager seine Seinsart dar: jedem Gotträger Dostojewskis ist sein Traum zugeordnet, in dem seine Idee erscheint — nur Aljoscha träumt nicht mehr, halluziniert nicht mehr, ist nicht mehr visionärer Mystiker, weil er selbst der Mensch des ganz realen Lebens und Tuns unter den Menschen ist: kein vereinzelter Heiliger, sondern „ein Symbol des Allrussentums, das ein Allheilands tum ist". Stoßen wir hier an die nationalistische Grenze Dostojewskis? Nein; denn schon in diesem Worte selbst ist die Nation zum All erweitert. Es drückt nur aus, daß die Erlösungsbotschaft Dostojewskis vom Beginn bis zur Erfüllung gebunden ist an das Wirkliche. Sein Wort „Wer kein Volk hat, hat keinen Gott", ist das Bekenntnis zu einer organischen Entwicklung aus der realen Tiefe des Lebens zu seiner realen Höhe, aus der Kraft des Blutes zur Erlösung. Aus dem Blut selbst steigt der Erlösungstraum auf; denn nur was aus dem Leben aufsteigt, kann in das Leben zurückströmen: das Leben ist das Erste und das Letzte. Nur aus dem Leben kommt die Liebe und nur im Leben kann sie sich erfüllen. — Das Werk Hans Pragers führt tief in das Verständnis des großen Hussen hinein. Es steckt in ihm nicht nur eine gewaltige Gedankenarbeit, sondern es lebt in ihm auch eine große Liebe. Der Geist Marias und der Marthas, der Geist emsigster Arbeit und der reinster Versenkung in den geheiligten Gegenstand sind in ihm vereint. Und nur ein leises Bedauern bleibt: daß die Sprache nicht immer ganz dem Gegenstand angemessen ist. Gerade weil dort, wo das Wesentlichste berührt wird, der Ausdruck oft von so schlichter und schlagender Kraft ist, macht sich eine gewisse Nachlässigkeit und Nüchternheit der Sprache in diesem durch und durch wesentlichen Ganzen oft um so schmerzlicher fühlbar. Solches Gold sollte schlackenlos dargeboten werden. Jacques Stern: Der Universalgedanke im Recht, Berlin 1926, 25 S. 80. Das Wort „Universalgedanke" ist vieldeutig. Will man damit sagen, ein Recht solle für die ganze Menschheit gelten? So wie dies die gläubigen Entdecker des Naturrechts gemeint haben oder die heutigen Anhänger des Weltverkehrsrechts? Der Verfasser, der den Gegensatz des universalen Naturrechts und eines national-historischen Rechts schon in seiner Schrift über Thibaut und Savigny behandelt hat, läßt jene Frage beiseite und erörtert, wie die Aufgabe einer „Universalrechtsgeschichte" aufzufassen sei. — Angesichts solcher Erörterungen über das,. was richtigerweise geschehen sollte, darf man vielleicht, ohne unfreundlich zu sein, daran erinnern, daß dem Publikum nicht so sehr daran. gelegen ist, zu hören wie „die Instrumente gestimmt" werden, als daß es vielmehr darauf gespannt ist, daß „gespielt" werde. Karl Rothenbücher. Kairos. Zur Geisteslage und Geistes wendung. Herausgegeben von Paul Tillich. 484 S. In Buckram gebunden i5 ffll. Verlag Otto Reichl, Darmstadt 1926. Inhalt: Einführung des Herausgebers. Paul Tillich: Kairos. Ideen zur Geisteslage der Gegenwart. Paul Till ich: Kairos und Logos. Eine Untersuchung zur Metaphysik des Erkennens. Wilhelm Loew: Idealität und Realität. Theodor Siegfried: Phänomenologie und Geschichte. Walter R i e z I e r: Die Baukunst am Scheidewege. Ein Versuch. Eduard Heimann: Sozialismus und Sozialpolitik. Ökonomische und philosophische Betrachtungen über die Beziehungen zwischen ihnen. Karl Mennickc: Das sozialpädagogische Problem in der gegenwärtigen Gesellschaft. Heinrich F r ic k: Der katholisch-protestantische Zwiespalt als religionsgeschichtliches Urphänomen. (Nach einem Vortrag.) Nikolaus Berdjajew. Die russische religiöse Idee. (Aus dem Russischen.) Christian Hermann: Bücherschau. Im Evangelium nach Marcus heißt es (1, i5), daß Jesu Verkündigung begonnen habe mit den Worten: „Die Zeit ist erfüllet und nahe ist das Reich Gottes. Tut Buße und glaubet an das Evangelium." Im Griechischen steht hier 618

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