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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 610

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Walter Rathenau als Deutscher und Jude in seinen Briefen und Schriften
Date
1927-02-01
Page
610 (sequence 8)
Language
German
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Emst Jacob, Walter Bathenau als Deutscher und Jude in seinen Briefen und Schriften Was macht Völker zu Nationen, Nationen zu Staaten, fragt Rathenau und antwortet1): Die Gemeinsamkeit des Bodens, des Erlebnisses und der Geschichte. Also kann es kein jüdisches Nationalitätsgefühl geben. „Für mich steht es fest und selbstverständlich da, daß ein anderes Nationalitätsgefühl als das deutsche für einen gebildeten und gesiiteten Juden nicht bestehen kann. Ich wüßte keinen, der mir begegnet wäre, der seine Staatszugehörigkeit anders empfunden hätte, als ein Bayer, Sachse und Ostpreuße. Wir alle wissen, daß die deutschen Stämme nicht einheitlichen Blutes sind, daß sie noch weniger die Nachkommen der taciteischen Germanen darstellen. Daß die Blutmischung der Juden eine ältere ist, hat für mich keine Bedeutung für ihre nationale Eingliederung." Es fehlen die Voraussetzungen, um das Judentum als eine Rasse oder Nation betrachten zu dürfen2): „Seit mehr als zweitausend Jahren haben die Juden keinen eigenen Boden mehr besessen; sie sind dadurch in einen Zustand gekommen, der auch Freiheit von jedem Staatswesen bedeutet —, d. h. ein Zustand, der in einigen tausend Jahren in der ganzen Welt verwirklicht sein wird." Ja, es ist Rathenau sogar zweifelhaft, ob man die Juden als eine besondere Schicht im deutschen Volke betrachten darf. Das Judentum scheint ihm bisher „lediglich als Abstammungsgemeinschaft und Ähnlichkeitskomplex existiert zu haben". Er sagt auch: „Ich halte es nicht für wahrscheinlich, daß sich das Judentum in irgend einer Form als Schicht entwickelt und als solche Macht beansprucht" 3) Alle diese Anschauungen müssen Rathenau mit Notwendigkeit dazu führen, das Wesen des Judentums im Religiösen zu finden. (Schluß folgt) i) Briefe Nr. 303. — *) Briefe Nr. 605. — 3) Briefe Nr. 494. 610

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