Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1927)
- Article
- Walter Rathenau als Deutscher und Jude in seinen Briefen und Schriften
- Date
- 1927-02-01
- Page
- 603 (sequence 1)
- Language
- German
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Walter Rathenau als Deutscher und Jude in seinen Briefen und Schriften Von Emst Jacob Mehr als vier Jahre sind vergangen, seit Walter Rathenau den Kugeln seiner Mörder erlegen ist Sein Name ist aus dem Tageskampf der Parteien in die Geschichte des neuen Deutschland übergegangen. Das Problem* dieses Lebens und dieses Charakters lag vor allem in der Tatsache begründet, daß er ein Deutscher und ein Jude war. Er selbst fühlte das, und mehr noch vielleicht seine Zeitgenossen. Deutsche haben ihm sein Deutschtum bestritten. Juden haben ihm Mangel an Judentum vorgeworfen. War er wirklich ein Deutscher? Dürfen wir ihn zu den Juden rechnen, die als Große in Israel betrachtet werden? Dies zu untersuchen sei der Gegenstand der folgenden Seiten. Das Material zur Lösung dieser Frage findet sich in seinen Briefen und in seinen gesammelten Schriften. Besonders sind zu nennen: i. in der „Kritik der Zeit" (1911) das Kapitel im Anhang „Staat und Judentum"; 2. die Gedächtnisrede für Emil Ratbenau (1915); 3. die „Streitschrift vom Glauben" (1917). Alles andere ist weit verstreut Raihenau soll in dieser Studie möglichst selbst zu Worte kommen. Es sei aber betont, daß fast alle seine bekanntgewordenen Äußerungen über Juden, Judentum und Deutschtum aus seinen letzten zwölf Lebensjahren stammen. Wir wissen kaum, wie seine Überzeugungen hierüber sich langsam gebildet haben mögen, manchmal sich wandelnd. Rathenau war kein Mann der Systematik, sondern des Lebens und der Idee.1) l) Die Briefe sind zitiert nach der Numerierung in „Walter Rathenau-Briefe", 2 Bände 1926, Karl Reißner Verlag, Dresden. Die anderen Schriften nach „Walter Raihenau", Gesammelte Schriften in 5 Bänden, S. Fischer Verlag, Berlin 1925, mit römischer Band- und arabischer Seitenzahl. 603