Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1927)
- Article
- Der Jude in der Musik
- Date
- 1927-02-01
- Page
- 590 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jude in der Musik Von Alfred Einstein Nicht vom „Judentum in der Musik" soll hier gesprochen werden — nicht von diesem endlos und fruchtlos erörterten Problem, das im Zeitalter des Antisemitismus immer wieder aufgerührt wird, so oft ein Jude eine Musik schreibt, die — je nachdem — dem Empfinden der Zeit zu sehr entspricht oder zu sehr widerspricht: die „Rassenzugehörigkeit" ist im 19. Jahrhundert dann stets der billigsle und zureichendste Erklärungs- und Verwerfungsgrund: das „Problem", eins der schwierigsten, der Oberflächlichkeit, der bewußten oder unbewußten Selbsttäuschung am meisten ausgesetzten, ist dann jedesmal, mag es sich um Meyerbeer oder Offenbach, um Mahler oder Schönberg handeln, gelöst Vor dem 19. Jahrhundert war es ja anders: und wir wissen so wenig etwas von einer Anzweiflung, die etwa der Mantuaner Jude Salamone Rossi, einer der Mitschöpfer des neuen Stils in der Instrumentalmusik zu Beginn des 17. Jahrhunderts, in seiner Schöpferkraft zu erleiden gehabt hätte, wie davon, daß Mozart Bedenken trug, die Texte des Figaro, Don Giovanni, von Cosi fan tutte aus den Händen des Lorenzo da Ponte, der einmal Emmanuele da Conegliano hieß, entgegenzunehmen. Nein, unser Ziel ist bescheidener; aber wir werden weiter zurückgehen müssen. Wir wollen versuchen darzustellen, wie der Jude sich in der Musik darstellt, wie ihn, durch der Zeiten Bildersaal hindurch, die Phantasie des Musikers anschaut, wie der Musiker sein „Wesen" musikalisch erfaßt Das Thema ist viel umfassender als es den Anschein hat und wir müssen uns beschränken, die bezeichnendsten Beispiele auszuwählen. Das erste bietet sich früh. Es ist ein historisch berühmtes und freilich mehr vom Hörensagen als vom wirklichen Hören bekanntes Werk, in dem 590