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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 578

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Zwei Legenden
Date
1927-02-01
Page
578 (sequence 2)
Language
German
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Else Schubert-Chris taller „Wehe dir, Rabbi Tarphon, daß da durch diesen Mann um dein Leben kommen sollst!" Der Bauer erschrak als er den Namen und die Stimme hörte, er sperrte eilends den Sack auf, erkannte den Rabbi und redete ihn mit vielen Entschuldigungen an. Der Lehrer stieg heraus, er sah die mondbeglänzten starken Wellen des Flusses gegen das hohe Ufer rauschen und sein Leib erschauerte vor solcher Nähe des Todes, — und er sah über sich den tief leuchtenden Sternenhimmel, seine Seele erschauerte und sprach zu ihm: „Wehe dir, Tarphon, daß du die Krone der Lehre zum Werkzeug deines Nutzens mißbraucht hast! Du hättest deine Unschuld beteuern sollen oder ein Lösegeld bieten und selbst wenn du hättest sterben müssen, so wäre dir besser als nun, wo du dein Leben gerettet hast durch den Ruhm der Lehre." Er wandte sich schweigend, von dem Ort seiner Niederlage zu gehen. Der Bauer sah im Mondschein das gramvolle Gesicht des Lehrers und glaubte, daß der erlittene Schimpf ihn schmerze, er folgte ihm nach und, immer einige Schritte hinter ihm sich hallend, sprach er mit vielen Bitten und Beteuerungen zu den tauben Ohren des tiefgebeugten Mannes. Erst an der Schwelle seines Hauses wandte der Lehrer sich um und sah ihn, der ihm gefolgt war, und mit einer gütigen Bewegung winkte er seinem Versehen Vergebung. Da ging der Bauer beruhigt heimwärts. Rabbi Tarphons edle Seele aber blieb tiefgebeugt in ihm, denn er sprach: Ich habe mein Heiligstes verhandelt und den Ruhm der Lehre gemein gemacht zu einem Werkzeug meines kleinen Nutzens. Und er wurde erst an dem Tag wieder froh, da er sein gerettetes Leben für die Lehre hingab in die Qualen des Martertodes. Der Sohn Abujas Einem Mann mit Namen Abuja wurde nach langem Hoffen ein Sohn geboren und er nannte ihn Elisa, denn er sprach: Gott hat Heil gegeben. Und da er das neue Leben in der Wiege sah, wie es vor Hilflosigkeit kaum die Hand zum Mund führen konnte und doch alle Möglichkeiten der Zukunft über seinem Haupt schwebten, da schwoll ihm das Herz und es schien ihm, als habe es seit Weltbeginn kein solches Wunder gegeben. In seiner Freude rüstete er ein Fest und lud alle Verwandten, Nachbarn und Freunde dazu ein. Das Kind aber, dem zu Ehren dies geschah, lag ruhevoll 578

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