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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 575

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1927-02-01
Page
575 (sequence 12)
Language
German
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Abraham Mutter trat Das Kind aber kann nach biblischer Auffassung nicht von der Mutter getrennt werden. Saras Strenge ist vorbeugende Fürsorge gegen Ansteckung ihres Sohnes durch ägyptisches Wesen, und Gott billigt ihr Verlangen. Denn auf seine Weisung gibt Abraham nach. „In allem was Sara dir sagt, höre auf ihre Stimme." So verläßt denn Hagar, von Abraham mitleidig versorgt, mit ihrem Sonde das Haus, um in ihre Heimat zurückzukehren. Aber sie verirrt sich in der Wüste, und der Knabe ist dem Verschmachten vor Durst nahe. Verzweifelt legt ihn die Mutter unter einen Strauch und setzt sich selbst von ferne, um das Sterben ihres Kindes nicht mitanzusehen — ein ergreifendes Bild- Da hört sie eine Stimme vom Himmel, die ihr Mut einflößt und ihrem Kinde eine große Zukunft verkündet Sie öffnet ihre Augen und sieht einen Brunnen. Der Knabe ist gerettet. Als er heranwächst, wird er ein Bogenschütze, der in der Wüste schweift, und seine Mutter nimmt ihm ein Weib aus dem Lande Ägypten. Von ihm leitet sich später ein großes in zwölf Fürstentümer gegliedertes Volk ab. So bewahrheitet sich bei ihm wie bei Lot, daß wer aus Abrahams Hause kommt, gesegnet ist und nicht verloren gehen kann. Das Schicksal Ismaels ist also dem seines Bruders ähnlich. Noch einmal begegnet er uns — mit Isaak am Grabe des Vaters. Denn er war und blieb der Sohn Abrahams. Es gibt nach biblischer Auffassung ebensowenig eine rechtskräftige Verstoßung und Enterbung des eigenen Kindes wie die Adoption eines fremden. Die natürlichen also gottgewollten Bande können niemals durchschnitten werden. Es wäre leicht, die beiden Offenbarungen an Abraham und Hagar gleich anderen in innere seelische Vorgänge zu übersetzen oder zurückzuübersetzen: Abraham schwankt, er beschließt, die Sache erst noch zu beschlafen. In der Stille der Nacht überlegt er und kommt zu der Erkenntnis, daß Sara recht hat Er überwindet sein Widerstreben und schreitet am Morgen zur Ausführung. — Hagar in der Wüste: In ihrer Todesnot kommt ihr die rettende Erinnerung an die trostreiche Verheißung, die ihr Abraham mitgegeben haben wird und die er auch für diesen Sohn aus seiner Berufung geschöpft hatte. Ihr Lebensmut erwacht wieder, das Auge erhellt sich und sieht den Brunnen. Dem Verzweifelten dünken alle Quellen versiegt, die Hoffnung sieht sie auch in einer Wüste sprudeln. Solche oder ähnliche Seelenverfassungen müssen immer als Vorbedingung angenommen werden, denn ohne sie würden auch alle Gesichte und Himmelsstimmen nur auf blinde Augen und taube Ohren treffen. Aber wenn wir nicht glauben sollen, daß unser Seelenleben nur der Ablauf leib- 575

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