Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1927)
- Article
- Das christliche Ghetto
- Date
- 1927-02-01
- Page
- 554 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das christliche Ghetto Von Alfred Ludwig Schmitz Wie drei Kreuzweg-Stationen liegen die christlichen Stätten Alt-Kairos in weiten Abstanden an ein und derselben Straße auf Kairo zu. Das Ghetto in den Mauern von Babylon. Das Kloster Abu Sefeen, eingekapselt in die Rundung seiner Ziegelmauern. Endlich die Kirche zu Ehren des heiligen Menas, in die Kopten, Armenier, Syrer sich geteilt haben. Trotz allem glücklicher als das Urbild in der alexandrinischen Wüste. Babylon ist nicht der Ort der Bibel, sondern die Festung einer römischen Legion. Die bis in die Mitte des 7. Jahrhunderts ausschließlich christlichen Ägypter sind offenbar durch die christlichen Kaiser von Rom und Konstantinopel keineswegs sorgfältig behandelt worden. Seit dem Konzil von Chalcedon (451), auf dem die byzantinischen Bischöfe mit Rom und gegen Alexandria votierten, also den Ausschlag gaben für die ägyptische Niederlage, ist die AbDeigung gewachsen. Die Hoffnung, besser regiert zu werden, mag sich mit der Freude geeint haben, dem christlichen Byzanz Bescheid zu tun, als der koptische Patriarch Cyrus die kampflose Übergabe der Festung an den Feldherrn des mohammedanischen Kalifen Omar vermittelte, der 64i sieben Monate lang vergeblich vor ihr lagerte. In die leere Schale der hohen soldatischen Mauern, der runden festen Türme und der engen Tore hat sich koptisches Volk eingenistet Es hat eine teure Miete zu zahlen gehabt Wenn jemals eine Schuld auf Erden bereits gesühnt worden ist, so hat das christliche Ägypten Fegefeuer und Hölle zugleich vorweg genommen. Von den Anhängern der melkitischen Kirche, die die Stadt des heiligen Menas schändeten, Marmorsäulen, Bilder entführten, sind nur einige tausend Seelen übrig geblieben. Die koptischen Ägypter, die Mohammed und seinen 554