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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 552

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Franz Werfels "Paulus unter den Juden" [Rezension]
Date
1927-02-01
Page
552 (sequence 10)
Language
German
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Max Eschelbacher Tempels war ein Verhängnis. Aber auch sie war nichts, als das Ende einer ruhmvollen Epoche jüdischer Geschichte und zugleich der Anfang einer ganz anders gearteten, die bis auf den heutigen Tag andauert Die Schlußszene zeigt den ersten Tischoh beaw. Die szenische Schlußbemerkung ist bis zu einem gewissen Grade richtig, „das Weinen der Juden dauert fort". Man kann es heute noch hören, nämlich am Tischoh beaw, aber dieser ist nur einer von den Tagen des Jahres. Die Römer konnten den Tempel zerstören, und die Opfer hörten damit für immer auf. Aber die Thora, um die Gamaliel mit Paulus rang, blieb ewig. Der Rabbi Beschwörer hatte nur den Irrtum der Zeit ausgesprochen, als er dem römischen Soldaten ankündigte, König Messias komme, wenn Antimessias sein wüstes Bild im Tempel aufrichte, und ebensowenig erfüllte sich, ab nun wirklich die Statue des Cäsar im Heiligtum stand, die gleiche, aus der Zeitstimmung begreifliche Zuversicht des Simon Petrus: „Antichrist erschienen! Geht nach Hause! Die Stunde des Christus ist da!" Alle diese Worte sind Echo der Zeit Die Stimme der Ewigkeit aber ist der Dank des Paulus: „Du gibst mir die Kraft des Weges!" Werfel hat seinem Drama ein „Argument" als Anhang beigegeben. „Mit bangem Gefühl übergebe ich der Öffentlichkeit dieses Drama. Nicht Zweifel des Gelingens oder des Erfolges sind es, die mir dieses Bangen einflößen, sondern das schwere Gefühl der Verantwortung vor dem hier gewählten Vorwurf." Seltsam! Die Sprache des Dichters ist das Drama, der Essay aber ist die Sprache des Schriftstellers. Warum muß der Schriftsteller Werfel hier den Dichter Werfel kommentieren? Weil das Drama aus eigener Kraft nicht klar genug spricht „um allen Mißverständnissen vorzubeugen". Das schwerste Mißverständnis aber ist der Eindruck von dem Zusammenbruch des Gamaliel, von der Erledigung und Abdankung des Judentums. Und das schwere Gefühl der Verantwortung bei dem seiner Verantwortung so sehr bewußten Dichter mag aus der Ahnung stammen, daß sein Drama mißverstanden werden kann. Sein „Argument" bestätigt uns das Recht, bei seiner Deutung eigene Wege zu gehen. Wir haben in unserer Betrachtung der dramatischen Legende diese nur an sich selber gemessen und keinerlei fremde Zeugen aufgerufen, die Werfel nicht selber geladen hätte. Wir haben von dem überwältigenden Zeugnis geschwiegen, das eine lange Geschichte von der fortdauernden Sendung des Juden- 552

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