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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 543

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Franz Werfels "Paulus unter den Juden" [Rezension]
Date
1927-02-01
Page
543 (sequence 1)
Language
German
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Franz Werfeis „Paulus unter den Juden" Von Max Eschelbadier L Die Szene wird zum Tribunal Im Drama spricht ein Dichter das Urteil über Göttliches und Menschliches, über Zeit und Ewigkeit Das Gericht, das Werfeis „Paulus" auf der Bühne vollzieht, erschüttert den Zuschauer. In einem historischen Drama wird ein Stück Vergangenheit lebendig. Der Hörer vernimmt es mit Interesse, mit Spannung, mit innerer Anteilnahme, aber selten wird er im Innersten erschüttert Solch ein historisches Drama ist Werf eis „Juarez und Maximilian". Jeder, auch der Mexikaner, der Österreicher, ja selbst ein Habsburger kann das Stück gefesselt, aber doch mit ruhigem Herzen verfolgen. Denn es ist lange her seit der Tragödie von Queretaro, und über den Gräbern von damals wächst Gras. Auch in seinem „Paulus" erweckt Werfel ein Stück Vergangenheit, aber von allen Elementen seines Werkes ergreift uns das Historische am wenigsten. Japaner, Chinesen, Hindus mögen diese dramatische Legende rein historisch betrachten, Christen und Juden sind dazu nicht imstande. Denn dies Drama hält Gericht über das Lebensrecht und über die geschichtliche Ehre ihrer Religionen. Wenn Paulus den Petrus und den Jakobus mit dem Rufe entsetzt: „Jesus, der Christus, ist über dem Gesetz!", wenn er den Rabbinen „das furchtbare Wort" zuruft: „das Gesetz ist erfüllt und die Liebe ist gekommen", wenn er mit Gamaliel um die Göttlichkeit Jesu ringt, dann zittern unsere Herzen. Denn jetzt handelt es sich nicht mehr um Historie, sondern nur noch um die Ewigkeit Zwar verwahrt sich Werfel selber mit Entschiedenheit gegen diese Auffassung. In dem schönen „Argument", in dem er selbst sein Werk deutet, erklärt er: „Nicht 543

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