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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 542

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Die bleibende Bedeutung des Alten Testaments
Date
1927-02-01
Page
542 (sequence 10)
Language
German
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A. Jirku: Die bleibende Bedeutung des Alten Testaments einer gottlichen Mission, und haben niemals daran gezweifelt, daß, aus ihrer engen Verbindung mit dem lebendigen Gotte heraus, sie die Verkünder seiner ewigen Wahrheiten sind. Diese Propheten haben als erste der Welt — sicher im Anschlüsse an den Dekalog — den Begriff einer neuen Sittlichkeit gebracht, die das Gute belohnt und das Böse bestraft; die diese Belohnung aber allein? in einem geregelten Verhältnisse zu Gott sieht Auch in der Verehrung Gottes gingen sie durchaus neue Wege, indem sie die rein geistige Anbetung in den Vordergrund stellten. Und daß schließlich auch die Propheten es waren, die ihrem Volke in erster Linie ein Verständnis für den Gott in der Geschichte beibrachten, wurde schon oben erwähnt So stellen sie in jeder Hinsicht etwas in der gesamten altorientalischen Welt Unerreichtes dar, und wir verstehen es, immer wieder, weshalb sie auch in der Welt des Alten Testamentes eine so überragende Stellung einnahmen. Wir können es auch nicht unterlassen darauf hinzuweisen, von welch einzigartiger Bedeutung das Alte Testament für die christliche Religion geworden ist Kein Blatt des Neuen Testamentes, das nicht ein alttestamentliches Zitat enthält oder auf dem sich nicht Anklänge an Gedanken des Alten Testamentes finden; ich möchte den christlichen Theologen sehen, der das Neue Testament ohne das Alte Testament glaubte, verstehen zu können. Niemand kommt um die unleugbare Tatsache herum, daß das Gebetbuch Jesu der alttestamentliche Psalter gewesen ist Und auch unsere geistige und religiöse Kultur ist so eng mit dem Alten Testamente verknüpft, daß diejenigen, die dasselbe aus unserem deutschen Leben ausmerzen wollen, sich scheinbar gerade darüber noch nicht genügend Rechenschaft gegeben haben, welches Trümmerfeld eine derartige Aktion zeitigen müßte. Was bliebe von dem Gesangbuch, was von dem Kultus, was von den Festen, was von der Kunst der christlichen Völker und Kirchen übrig, wenn man daraus alles beseitigte, was mit der Gedankenwelt des Alten Testamentes zusammenhängt Wie würde sich vor allem der Religionsunterricht unserer Jugend gestalten, wenn in demselben nichts mehr laut werden sollte von Schöpfung und Sündenfall, nichts mehr von den 10 Geboten und den Führungen Gottes im Leben des Einzelnen und in der Geschichte. Ich meine, dies und anderes mehr sollte die Stimmen derer zum Verstummen bringen, die aus politischen oder zeitlichen Stimmungen heraus dem Alten Testamente jegliche Bedeutung für unsere Zeit absprechen wollen; vielmehr sollte das immer mehr Geltung erlangen, was wirklich von bleibendem Werte ist am Alten Testament 542

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