Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1927)
- Article
- Die bleibende Bedeutung des Alten Testaments
- Date
- 1927-02-01
- Page
- 533 (sequence 1)
- Language
- German
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Die bleibende Bedeutung des Alten Testaments Von A. Jirku Jeder, der die religiöse und politische Literatur unserer Tage kennt, weiß, daß das Alte Testament seit etwa 20 Jahren wieder heiß umkämpft ist Lag eine gewisse Oppositionsstimmung gegenüber dem Alten Testamente zwar immer in bestimmten Kreisen der christlichen Kirchen in der Luft, so kann man doch wohl sagen, daß die modernen Angriffe gegen das Alte Testament ihren Ausgang nahmen von den Vorträgen, die der Berliner Professor der Assyriologie Friedrich Delitzsch in den Jahren 1902 und 1903 in der Deutschen Orientgesellschaft in Berlin hielt und denen er den bezeichnenden Namen „Babel und Bibel" gab. Das Verhältnis des Alten Testamentes zum Alten Orient sollte einem illustren Publikum verständlich gemacht werden. Die Tendenz der beiden Vorträge zielte aber dahin, darzulegen, daß das Alte Testament und seine Religion; im Alten Orient nichts Einzigartiges darstellen, sondern daß es nur ein Stein ist unter Steinen; daß alle die, die in dem Alten Testamente eine Urkunde göttlicher Offenbarung sehen, das Opfer seien einer dogmatischen Verblendung und einer auf einer geschichtlichen Entwicklung beruhenden Täuschung. Besonders der zweite der beiden Vorträge erregte damals ungeheueres Aufsehen. Es gab niemanden in Deutschland, der nicht die drei kurzen Worte „Babel und Bibel" gehört hätte; in der Presse wurden die Darlegungen des Berliner Professors eingehend erörtert und bald erschien eine ganze Flut von Broschüren, die zu ihnen Stellung nahm. Die Erregung über die „Babel-Bibel"-Vorträge ebbte allmählich ab, aber die Diskussion über dieses Problem schwand nicht Immer wieder werden da und dort Stimmen laut, die zum Kampfe gegen das AJte Testament aufrufen. Da sind einmal die völkischen Kreise, die aus nationalen Gründen das Alte 36* 533