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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 464

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-12-01
Page
464 (sequence 2)
Language
German
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Julius Goldstein ausführt: „Wie ich. mich zum einzelnen Juden verhalte und was ich ihm in Politik, Erziehung, Kulturpflege usw. zugestehe, das ist nicht Sache des Verstandes ... sondern Sache der seelischen Abgrenzung oder Anziehung" (p. 45). Der Willkür einer solchen Abgrenzung oder Anziehung ausgesetzt zu sein, ist schlimmer als wenn man verfügte: Juden sind von deutscher Kunst aaszuschließen, sie dürfen kein verantwortliches Lehramt bekleiden und müssen sich aller politischen Betätigung enthalten. — Dagegen können wir ankämpfen, können uns wehren, wie sich eine Minorität gegen die Vergewaltigung der ihr verfassungsmäßig zustehenden Rechte wehrt Aber uns zuzumuten, eine Metökenexistenz von Gnaden der seelischen Anziehung oder Abgrenzung des Herrn Stapel und seiner Gesinnungsgenossen zu führen, bedeutet für uns, die wir uns deutschen Volkes fühlen, eine Verletzung unsrer Menschenwürde. — Die Völkischen weisen allerdings auf Zeugnisse von Juden hin — Stapel hat es mehrfach getan — die emdringlich sich zu einem besonderen jüdischen Volkstum bekennen und sich deshalb nicht zum deutschen Volke rechnen. Von ihnen, die in Deutschland eine zahlenmäßig verschwindende Minderheit darstellen, ist hier nicht die Rede (es gibt in Deutschland 9963 organisierte Zionisten bei 600000 Juden, und von diesen 9963 sind wiederum nur ein kleiner Prozentsatz dezidierte Nationaljuden). Es ist auch nicht die Rede von dem Juden im allgemeinen oder den Juden irgendeiner Zeit und irgendeines Landes1), sondern von den Hunderttausenden eingesessener deutscher Juden dieser Gegenwart In ihrem Namen spreche ich, wenn ich erkläre: Wir fühlen uns zum deutschen Volke gehörig mit allen Rechten und Pflichten, die uns diese Zugehörigkeit auferlegt Steht solchermaßen Behauptung gegen Behauptung, so muß man weiter fragen: Worauf gründet sich unsere Wesensverbundenheit mit dem deutschen Volke, gründet nicht im Sinne der ratio, sondern der causa. Ich will nicht begrifflich darlegen, sondern auseinanderlegen, welche Tatsachen unser Deutschtum in sich befaßt x) Obgleich auch für die Mehrzahl der Juden westeuropäischer Kultur ceteris paribus das Gleiche gilt, was ich im folgenden für die deutschen Juden ausführe — aber es ist nicht meine Aufgabe, mich hier mit den dem englischen oder französischen Volke angehörenden Juden zu befassen. 464

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