Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Jüdische Herkunft und Literaturwissenschaft [Rezension]
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 427 (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Herkunft und Literaturwissenschaft Von Karl Vossler Unter dem Titel „Jüdische Herkunft und Literaturwissenschaft" veröffentlicht Adolf Bartels im Verlag des Bartels-Bundes in Leipzig seine neueste Streitschrift (1925). Wer kennt nicht den unentwegten Eifer, den er seit nunmehr 3o Jahren auf die Errichtung eines geistigen Ghetto in der Civitas der deutschen Literatur verwendet? Die subjektive Ehrlichkeit und eine gewisse Sachlichkeit des völkischen Glaubens darf man ihm nicht absprechen. Er verdienl, daß seine Gegner so gut wie seine Genossen ihn ernst nehmen; und wenn die wissenschaftlichen Literarhistoriker sich allmählich gewöhnt haben, ihn als einen unbelehrbaren Sonderling oder Monomanen in die Ecke zu stellen, so verkennen sie, daß die Grundbegriffe, mit denen er arbeitet, noch nicht so restlos überwunden und aus dem Wege geräumt sind, wie es vielleicht scheinen kann. Der wichtigste Grundbegriff für Bartels ist der der Nationalliteratur. „Die Literatur," sagt er Seite 9, „ist die Offenbarung des eigenen Wesens einer Nation" . . . „Jede Literatur . . . muß national sein und bleiben, das Schrifttum muß dem Volkstum entsprechen . . ." (Seite 39): „Da es nur nationale Kunst gibt, nur diese von dauerndem Wert für die Menschheit ist, so muß natürlich der nationale Charakter einer Kunst und Literatur immer nach Kräften rein erhalten werden und schon damit ist ein Grund zur Abweisung des jüdischen Einflusses gegeben. Aber in der deutschen Literatur ist, weil Arier und Juden so von Grund aus verschieden sind, der jüdische Einfluß auch direkt schädlich" (Seite 161). Der Forderung, daß jede Literatur, um menschlichen Wert zu erlangen, national sein bzw. werden soll, steht bei Bartels die Voraussetzung zur Seite, 427