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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 407

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
[Rezension]
Date
1926-10-01
Page
407 (sequence 1)
Language
German
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Besprechungen Mose ben Maimon: Führer der Unschlüssigen. Ins Deutsche übertragen und mit erklärendenAnmerkungen versehen von Dr. Adolf Weiß. Bd. i84ader Philosophischen Bibliothek. Verlag Felix Meiner, Leipzig, 1923. 3 Bände. I: CCCXXII u. 3g4 S.; II: IX u. 3i3 S.; III: VIII u. 392 S. Brosch. 33 M, geb. 4o m. Es war ein äußerst dankenswertes Unternehmen, das philosophische Meisterwerk des Maimonides ins Deutsche zu übersetzen und es dadurch denen zugänglich zu machen, die des Arabischen und Hebräischen unkundig sind. Das Werk des Maimonides war maßgebend für die gesamte mittelalterliche Religionsphilosophie; nicht bloß der jüdische, auch der christliche und islamische Forscher schöpfte aus ihm in gleicher Weise reiche Belehrung. Und wenn auch das Weltbild, dem die Philosophie des Maimonides zugrunde liegt, das aristotelische, heute nicht mehr das unsrige ist, so darf doch nicht vergessen werden, daß in der katholischen Theologie das Weltbild der mittel-, allerlichen Philosophie noch in starker Geltung fortlebt. So ist es denn ein gar nicht gering anzuschlagendes Verdienst, Maimonides dem Studium der katholischen Theologen zugänglicher gemacht zu haben; das Buch hilft mit, in maßgebenden und bestimmenden Kreisen die Oberzeugung von der wesentlichen und wertvollen Mitarbeit der Juden am geistigen Leben zu festigen, von ihrem unentbehrlichen und nicht ausschaltbaren Beitrag zu dem gesamten Schatz der religiösen, sittlichen und wissenschaftlichen Kultur aller Zeiten. Nun verstehe man das aber nicht so, daß Maimonides als Philosoph etwa eine nur den katholischen Theologen heute noch interessierende Persönlichkeit sei. Auch wenn unser Weltbild heute ein anderes ist als das des Maimonides, so bleibt er doch bedeutend in seiner Art, das unpersonalistische dynamische Weltbild des neuplatonisch gefärbten Aristotelismus in das personalistische ethische Gefüge des jüdischen Monotheismus einzubauen und umzubauen. So hat er der Prophetie ihren religiösen Wert zurückerobert und sie über die Stufe des reinen Erkennens emporgehoben, so hat er der Vorsehung ihren Wert weit hinaus über die im aristotelischen Denken liegende allgemeine Zweckordnung in der Welt gegeben, und so hat er in der Frage der Weltschöpfung, in der rein philosophisch die Zeitlichkeit und die Ewigkeit der Welt gleich möglich wären, die Schöpfertat Gottes mit Nachdruck ins Bewußtsein gehoben. Er ist dadurch in dem Kern seiner Ausführungen bis auf den heutigen Tag richtunggebend. Im besonderen Umkreis der jüdischen religiösen Fragen bleibt wichtig und immer wieder neu anregend sein Versuch, für die Gebote und Verbote einleuchtende Gründe zu finden. Auch für Heutige bedeutsam ist zu sehen, wie an ihm ein ganz bestimmter Widerspruch sich entzündete. Man bekämpfte ihn schon zu seinen Lebzeiten, weil er der Erkenntnis zuviel religiösen Wert beimaß, wodurch sich das alte jüdische Ideal von dem Einswerden mit Gott durch die sittliche Tat leicht verdunkeln konnte. Die Bedeutung des Maimonides ist aber nicht bloß in seiner philosophischen Tätigkeit zu suchen, sie ruht mehr noch in seiner Führung der jüdischen Angelegenheiten seiner Tage und in seiner Beherrschung des Talmuds. Hat er doch den Versuch gewagt, die chaotische äußere Form der talmudischen Diskussion in ein System und eine feste Ordnung zu bringen. Es war daher gut und richtig, daß Weiß seiner Übersetzung eine längere Abhandlung über das gesamte Leben Mose ben Maimons voranschicute, und daß er sie und die Darstellung seines philosophischen Systems in einem Abriß der Entwicklung des talmudischen und rabbinischen 407

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